Fachgesellschaft will mehr Forschungsgelder für Reproduktionsmedizin

Gießen – Die Reproduktionsmedizin benötigt mehr Förderung, insbesondere in der Forschung. Das betonte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Andrologie (DGA), Sabine Kliesch, bei der Jahrestagung der Fachgesellschaft in Gießen.
„Potenzstörungen, Hormonmangelerkrankungen des Mannes und insbesondere auch die Fruchtbarkeitsstörungen sind ‚Volkskrankheiten‘“, sagte die Chefärztin der Abteilung für Klinische und Operative Andrologie am Universitätsklinikum Münster. Alle drei Themenbereiche beträfen Millionen von Menschen, ihre Häufigkeit sei vergleichbar mit kardiovaskulären Erkrankungen oder dem Steinleiden.
„Und trotzdem findet die Andrologie und insgesamt das Themengebiet der Reproduktionsmedizin viel zu langsam die erforderliche Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, der Politik und der Forschungsförderung“, kritisierte Kliesch.
Die Forschungsförderung in Deutschland fokussiert laut der Expertin auf Tumorerkrankungen und lasse die „Forschung am Ursprung des Lebens“ außer Acht. „Strukturierte Forschungsprogramme seitens des Bundes oder der Länder gibt es zu dieser Thematik nicht“, so die DGA-Präsidentin. Allein die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördere übergreifende Forschungsverbünde im Bereich der Reproduktion.
Ein Beispiel sei die Kryokonservierung von Spermien und Eizellen auch bei Jüngeren: Die DGA weist daraufhin, dass die Krankenkassen die Kryokonservierung von Spermien und Eizellen bei kranken Männern und Frauen übernehmen, die eine Chemotherapie oder eine andere Behandlung benötigen, die die Fertilität dauerhaft schädigen könne.
Aber die Kinder und Jugendlichen, die die Pubertät noch nicht durchlaufen hätten, seien von den Fortschritten ausgeschlossen. „Die Kryokonservierung von kindlichen Stammzellen im Hoden und unreifen Eizellen sind existierende experimentelle Verfahren, die langfristig in die Klinik überführt werden“, erläuterte Kliesch.
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