Ärzteschaft

Fachgesellschaften sehen Cannabis-Teillegalisierung weiter kritisch

  • Montag, 13. April 2026
/picture alliance, TNS, ABACA
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Berlin – Medizinische Fachgesellschaften sehen die mit dem Konsumcannabisgesetz (EKOCAN) umgesetzte Teillegalisierung von Cannabis weiter kritisch. Der neue – zweite – Zwischenbericht zum Gesetz zeichnet laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) ein zu positives Bild. 

Laut dem Bericht hat die mit dem Gesetz erfolgte Neueinstufung von Cannabis als Freizeitdroge bisher kaum messbare Auswirkungen auf den Cannabiskonsum in der Bevölkerung.

„Die dem Bericht zugrunde liegenden Befragungen liegen zeitlich eng um das Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes. Internationale Forschung zeigt aber, dass Effekte einer Legalisierung frühestens nach fünf, realistischer nach zehn Jahren sichtbar werden“, warnte Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Präsidentin der DGPPN.

„Die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen des Konsums werden bislang nur unzureichend erfasst. Der bisherige Beobachtungszeitraum ist viel zu kurz, um hierzu verlässliche Aussagen treffen zu können“, betonten auch Eva Hoch und Thomas Hillemacher, Co-Präsidenten der DG-Sucht.

Deutliche negative Effekte des Gesetzes benennt die DGKJP: „Während die Zahl der Konsumierenden zwar insgesamt stabil bleibt, ist der Anteil derjenigen mit schädlichen oder abhängigen Konsummustern gestiegen“, sagte dessen Präsident Michael Kölch.

Gleichzeitig nähmen weniger Jugendliche und junge Erwachsene die Angebote von Suchtberatung und Frühintervention wahr, denn der bisherige Zugang über Polizei und Justiz sei weggefallen, ohne dass alternative Zugangswege geschaffen worden seien. „Damit entsteht ausgerechnet in einer Hochrisikogruppe eine Versorgungslücke“, warnte Kölch.

Alle drei Organisationen sehen zudem die Entwicklung im Bereich des Medizinalcannabis mit Sorge. „Nach den regulatorischen Änderungen hat sich ein stark wachsender Markt mit niedrigschwelligen Zugängen ohne verpflichtenden persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt entwickelt, der Fehlanwendungen und eine Verwischung der Grenze zwischen medizinischer Indikation und Freizeitkonsum begünstigt“, warnen sie.  

hil

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