Fallot-Tetralogie: Leicht erhöhter Blutzucker als Risikofaktor
Stanford – Erhöhte Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft erhöhen bereits unterhalb der Schwelle zum Gestationsdiabetes das Risiko auf eine Fallot-Tetralogie, einem häufigen und schweren angeborenen Herzfehler bei Neugeborenen. Dies geht aus einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Pediatrics (2015; doi: 10.1001/jamapediatrics.2015.2831) hervor.
Dass die Kinder von Diabetikerinnen häufiger mit einem Herzfehler geboren werden, ist bekannt. Die Blutzuckerwerte von 55 Frauen, die ein Kind mit Fallot-Tetralogie zur Welt gebracht hatten, lagen jedoch in der Regel unter der Schwelle, die zur Diagnose eines Gestationsdiabetes geführt hätte. Bei einer zweiten Gruppe von Frauen, deren Kinder mit einer Transposition der großen Arterien geboren wurden, waren die Blutzuckerwerte gar nicht erhöht. Beide Fehlbildungen führen zur Geburt eines zyanotischen Neugeborenen („blue baby syndrome“), die deshalb nach der Geburt operiert werden müssen.
James Priest, der an der Standford Universität diese Kinder betreut, verglich die Blutzucker-Werte der Mütter mit denen einer Gruppe von 180 Müttern, die ein Kind ohne Herzfehler geboren hatten. Bei der Fallot-Tetralogie bestand eine eindeutige Assoziation. Schwangere mit erhöhten Blutzuckerwerten hatten ein 7,54-fach erhöhtes Risiko auf ein Kind mit Fallot-Tetralogie. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall war mit 2,30 bis 24,69 allerdings relativ weit, weshalb eine genaue Risikoabschätzung nicht möglich ist. Das absolute Risiko wäre ohnehin sehr gering, da die Fallot-Tetralogie insgesamt selten ist, während erhöhte Blutzucker-Werte sehr häufig sind.
Für die Transposition der großen Arterien fand Priest keine Assoziation mit dem Blutzuckerspiegel (Odds Ratio 1,16; 0,28-4,79). Die Gründe für die vermehrte Rate von angebornen Herzfehlern bei den Kindern diabetischer Mütter sind nicht bekannt. Ein Grund könnten die beim Gestationsdiabetes häufig erhöhten Insulinspiegel sein. Insulin ist ein Wachstumshormon, das die geordnete Entwicklung der Arterien in der Embryonalphase stören könnte. Eine Assoziation mit den Insulinspiegeln ließ sich jedoch nicht nachweisen.
Die Mütter von Kindern mit einer Transposition der großen Arterien hatten sogar eher niedrige Insulinkonzentrationen. Die Blutproben waren allerdings erst im mittleren Trimenon der Schwangerschaft entnommen worden. Die Herzfehler entstehen dagegen in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: