Familie und Beruf: Neue Infoplattform der KBV

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will Ärztinnen und Ärzte, Psychologische Psychotherapeutinnen und –therapeuten sowie Medizinische Fachangestellte mit einem neuen Informationsangebot dabei unterstützen, Praxis und Familie besser zu vereinbaren. Auf der Internetplattform www.praxis-und-familie.de findet man seit heute Informationen zu Arbeitszeit- und Kooperationsmodellen, Vertretungsregelungen für Schwangerschaft und Elternzeit sowie Erfahrungsberichte.
Hilfreiche Angebote von Kassenärztlichen Vereinigungen und anderen Institutionen, zum Beispiel zum Bereitschaftsdienst oder zum Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag nach einer Kinderpause werden ebenfalls präsentiert. Eine ähnliche Webseite besteht seit kurzem auch für den Klinikbereich (www.pflege-krankenhaus.de).
Eine Befragung der KBV unter 12.000 Medizinstudierenden habe im vergangenen Jahr ergeben, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für 96 Prozent ein entscheidendes Kriterium für oder gegen eine Niederlassung sei, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Köhler bei einer Podiumsdiskussion zum Thema im Rahmen der diesjährigen Versorgungsmesse der KBV: „Mit der neuen Website wollen wir zeigen, wie es in der Praxis laufen kann.“
Hiltrud Kastenholz, Referatsleiterin im Bundesgesundheitsministerium, verwies darauf, dass sich ihr Haus in Form eines Runden Tisches mit zahlreichen Fachleuten des Themas angenommen habe. Entsprechende Vorschläge seien bereits in die Eckpunkte zum geplanten Versorgungsgesetz eingeflossen. Denn die Voraussetzung für eine ausreichende medizinische Versorgung sei genug qualifiziertes Personal.
Eine vernünftige Work-Life-Balance sei längst nicht mehr nur ein Thema für Frauen, ergänzte Kastenholz: „Es ist zunehmend auch von Bedeutung für Männer, Familie und Berufsleben miteinander in Einklang zu bringen.“ Neben Veränderungen an den Vorgaben für die Aus- und Weiterbildung und bei den Zulassungsanforderungen für Vertragsärzte habe der Runde Tisch festgestellt, dass auch die Informationsangebote verstärkt werden müssten.
Dies bestätigte Carolin Fleischmann, Präsidentin der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland: „Es ist deutlich, dass viel in Bewegung ist, aber das kommt bei den Studierenden gar nicht an.“
Zur Begründung erläuterte Fleischmann, dass die angehenden Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Ausbildung häufiger auf gestresste Kollegen träfen, die ihnen kein positives Bild der Vereinbarung von Privat- und Berufsleben vermittelten: „Die Diskrepanz zwischen dem, was möglich ist, und dem, was Ärzte vermitteln, ist groß.“ Wichtig wäre es auch Sicht Fleischmanns, Studierenden die Angst zu nehmen, was später auf sie zukomme.
Erfreut über die Internetplattform der KBV und das neue Engagement für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf äußerte sich Regine Rapp-Engels, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes. Vieles, was der Ärztinnenbund seit langem fordere, werde nun endlich umgesetzt, was aber „eher der Tatsache geschuldet ist, dass wir einen Ärztemangel haben, als der Einsicht“. Es gehe dabei nicht nur um das Familienleben, sondern um familienfreundliche Arbeitsbedingungen, die am Ende allen zugutekämen: „Auch Ärzte ohne Kinder sind an gesunden Arbeitsbedingungen interessiert.“
Bei der Versorgungsmesse der KBV stehen noch bis einschließlich 5. Mai besonders innovative Versorgungsangebote im Mittelpunkt, vor allem unter dem Gesichtspunkt der sektorenübergreifenden Versorgung. Eingeladen wurden 30 Aussteller, darunter mehrere Ärztenetze wie das Norddeutsche Herznetz, das Praxisnetz Nürnberg Süd oder die Kooperationsplattform Ocunet. Fachforen, Workshops, Diskussionsrunden und Vorträge umrahmen das Angebot.
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