Medizin

Fluorchinolone: Studie kann kein Netzhautrisiko erkennen

  • Mittwoch, 27. November 2013

Kopenhagen – Die Verordnung von Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone geht nicht mit einer erhöhten Rate von Netzhautablösungen einher. Dies kam jetzt in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; doi: 10.l001/jama.2013.280500) heraus, die damit eine dort im letzten Jahr publizierte Fall-Kontrollstudie infrage stellt.

Mahyar Etminan vom Child and Family Research Institute in Vancouver war aufgefallen, dass Patienten, die im kanadischen Bundesstaat British Columbia wegen einer Netzhaut­ablösung in Behandlung waren, häufig Fluorchinolone erhielten. Für die aktuelle Anwendung ermittelte Etminan ein um den Faktor 4,5 erhöhtes Risiko (adjustiere Rate Ratio 4,50; 95-Prozent-Konfidenzintervall 3,56-5,70) auf eine Ablatio retinae.

Der Zusammenhang war damit statistisch signifikant und er schien auch biologisch plausibel zu sein: Fluorchinolone können das Bindegewebe schädigen (Komplikation: Sehnenriss), das auch für die Integrität der Netzhaut von Bedeutung ist.

Die Publikation regte Björn Pasternak vom Statens Serum Institut in Kopenhagen an, die Ergebnisse zu überprüfen. Er führte dazu einen Abgleich zwischen den Arzneimittel­verordnungen von  Fluorchinolone mit den Hospitalisierungen wegen einer Netzhautablösung durch. Diese Analyse ist in Dänemark bevölkerungsweit möglich, da die Patienten in den einzelnen Registern mit den gleichen Identifikationsnummern geführt werden.

Im Fall eines erhöhten Risikos hätte Pasternak eine erhöhte Zahl von Netzhautablösung im zeitlichen Zusammenhang mit den Verordnungen entdecken müssen. Dies war allerdings nicht erkennbar. Weder aktuelle noch zurückliegende Verordnungen von Fluorchinolonen waren mit einer erhöhten Erkrankungsrate assoziiert.

Für den Editorialisten Allan Brett von der University of South Carolina School of Medicine in Columbia, stellt sich die Frage, welcher Studie er mehr vertrauen soll. Für die dänische Studie spreche, dass sie repräsentative Daten für den durchschnittlichen Patienten liefert, dem im klinischen Alltag Fluorchinolone verordnet werden.

Die kanadische Studie war dagegen auf Patienten fokussiert, die wegen einer Netzhautablösung behandelt wurden. Bezogen auf die Gesamtzahl aller Verordnungen ist dies eine verschwindend kleine Anzahl. Brett gibt insgesamt der dänischen Untersuchung den Vorzug. Über ein mögliches Netzhautrisiko bräuchten sich Ärzte nicht den Kopf zu zerbrechen, schreibt er.

Die Ergebnisse der kanadischen Studie sollten sie aber im Hinterkopf behalten, um Wünsche nach unnötigen Antibiotikaverordnungen abzuwehren. Brett ist hier in guter Gesellschaft. Den epidemiologischen Untersuchungen von Pasternak wird derzeit viel Vertrauen geschenkt. Allein in diesem Jahr wurden Studien zur Sicherheit von Fluconazol, Metoclopramid und Ondansetron während der Schwangerschaft publiziert. In allen Fällen konnten frühere Sicherheitsbedenken zerstreut werden.

rme

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