Forschung: Risikobewertung von Nanomaterialien in der Umwelt
Sulzbach – Zur Abschätzung des Risikos synthetischer Nanomaterialien auf Mensch und Umwelt ist im Oktober 2014 das Forschungsprojekt „NanoUmwelt - Risikoanalyse synthetischer Nanomaterialien in der Umwelt“ gestartet. Elf Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Landes- und Bundesbehörden arbeiten dabei an innovativen Methoden, um die Nanopartikelbelastung und die hieraus resultierenden Risiken für Mensch und Umwelt bewerten zu können. Unter der Leitung der Postnova Analytics GmbH sind neben der Fraunhofer-Gesellschaft unter anderem auch das Umweltbundesamt sowie die Universitäten Trier und Frankfurt beteiligt.
„Ziel ist es, den Eintrag synthetischer Nanomaterialien in unterschiedlichen Umweltkompartimenten, wie Boden, Klärschlamm, Fließgewässer, Bodenorganismen, Muscheln und Fischen, aber auch im Menschen zu quantifizieren und die Erscheinungsformen der Nanomaterialien in den jeweiligen Umgebungen zu charakterisieren“, erläutert die stellvertretende Projektkoordinatorin, Yvonne Kohl, vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, Sulzbach.
Das IBMT geht im Rahmen des Projekts der Frage nach, wie sich eine dauerhafte Exposition geringer Mengen an Nanomaterialien auf den Menschen und die Umwelt auswirkt. Hierzu sammeln die Wissenschaftler des Instituts Umweltproben aus repräsentativen Ökosystemen und entwickeln Methoden zur standardisierten Aufbereitung des organischen Materials für die Analytik und zur veränderungsfreien Langzeitlagerung.
Um auch den Mensch als Teil der Umwelt zu berücksichtigen, wollen sie einen Online-Fragebogen zur Erfassung einer möglichen Nanopartikelexposition erstellen und in enger Kooperation mit dem Umweltbundesamt Blut- und Urinproben junger Erwachsener sammeln. Anhand dieser Proben werden von Projektpartnern nachweisstarke Analysemethoden zur Verfügung gestellt, um zu ermitteln, mit welchen Nanomaterialien und in welcher Menge Mensch und Umwelt in Deutschland belastet sind. Zudem sollen neue Modelle zur Untersuchung humantoxikologischer Effekte von Nanomaterialien im Niedrigdosisbereich entwickelt und die Barrieregängigkeit von Nanomaterialien (Überwindung der Lungen- und der Darm-Barriere) untersucht werden, um Aussagen über die Aufnahme in den Körper zu treffen.
Die Projektdauer beträgt 36 Monate. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das interdisziplinäre Vorhaben im Rahmen des NanoCare-Programms mit 1,8 Millionen Euro. Die Ergebnisse sollen in die BMBF-Datenbank „DaNa 2.0 – Daten und Wissen zu Nanomaterialien“ einfließen, die die Daten für die Öffentlichkeit allgemeinverständlich aufbereitet.
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