Forschungsagenda für Hebammenwissenschaft entwickelt

Mainz – Die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) hat zusammen mit dem Hebammenwissenschaftlichen Fachbereichstags (HWFT) einen Forschungsrahmen für die Hebammenwissenschaft 2026 bis 2036 entwickelt.
Sieben Positionen zu der Agenda hat eine Arbeitsgruppe jetzt in der Zeitschrift für Hebammenwissenschaft vorgestellt (2026, DOI: 10.1007/s44476-026-00046-4).
„Mit der Vollakademisierung des Hebammenberufs in Deutschland besteht ein wachsender Bedarf an einer strategischen Ausrichtung hebammenwissenschaftlicher Forschung“, schreibt die Arbeitsgruppe.
Die Agenda soll daher Empfehlungen für die Grundlagen-, Praxis- und Evaluationsforschung sowie die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen ableiten. Darüber hinaus soll sie Forschungsschwerpunkte, Nachwuchsförderung, Qualifizierungsarbeiten und die Vergabe von Drittmitteln unterstützen.
Basis der Forschungsagenda sind eine systematische Literaturübersicht, die den Forschungsstand in der Hebammenwissenschaft erfasst und ein dreitägiger Workshop mit 29 Expertinnen aus der Hebammenwissenschaft sowie einer Elternvertreterin.
Die Literaturrecherche diente unter anderem dazu, vorhandene Forschungsarbeiten und methodische Ansätze zu identifizieren sowie Forschungslücken zu erkennen.
Eingeschlossen wurden Publikationen mit Bezug zur Hebammenwissenschaft und zur geburtshilflichen Versorgung in Deutschland aus den Jahren 2000 bis 2025. Internationale Studien ohne gesonderte Auswertung für Deutschland sowie rein medizinisch-klinische Arbeiten ohne Bezug zur Hebammenwissenschaft wurden ausgeschlossen.
217 Publikationen gingen in die Analyse ein. Die Auswertung zeigte „eine thematisch breite, jedoch fragmentierte Forschungslandschaft“, schreibt die Arbeitsgruppe. Explorative und deskriptive Forschung dominiere, während Interventions- und Implementierungsforschung nur wenig vertreten sei.
Auf Grundlage des Reviews und des Workshops entwickelte das Forschungsteam sieben zentrale Positionen. Diese betreffen unter anderem die Entwicklung eines eigenständigen Theorie- und Methodenkanons und die Stärkung transdisziplinärer Forschung.
Weitere Schwerpunkte sind die wissenschaftliche Weiterentwicklung der geburtshilflichen Versorgung, die Berücksichtigung gesellschaftlicher und globaler Herausforderungen, der Ausbau internationaler Kooperationen sowie der Aufbau nachhaltiger Forschungs- und Förderstrukturen für die Hebammenwissenschaft in Deutschland.
Die Positionen bilden nach Aussagen der Arbeitsgruppe die Grundlage für eine detaillierte Ausarbeitung der Forschungsagenda. Diese soll bis Ende 2026 vorliegen.
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