Ausland

Gaza: Medizinische Hilfe stockt weiter, Hilfsorganisationen fordern Zugang

  • Freitag, 24. Oktober 2025
/picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Jehad Alshrafi
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Genf – Rund zwei Wochen nach Beginn der jüngsten Waffenruhe im Gazastreifen hapert es bei der medizinischen Versorgung der Menschen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an allen Enden.

Die monatelang blockierten Lieferungen von Medikamenten und medizinischem Gerät seien zwar angelaufen, sagte der WHO-Vertreter in den von Israel besetzten Gebieten, Rik Peeperkorn. Aber da Israel nur zwei Grenzübergänge geöffnet habe, sei es schwierig, den Bedarf zu decken.

Nur 14 der 36 Krankenhäuser seien teilweise funktionsfähig, ebenso 64 von 181 Gesundheitszentren und 109 von 359 Behandlungsräumen. Wichtige Krankenhäuser lägen in dem Gebiet, das Israel noch kontrolliere, und könnten von Patienten nicht erreicht werden. Darunter ist auch das European Gaza Hospital. Die WHO habe alles nötige Material in der Region, brauche aber besseren und schnelleren Zugang.

Bislang werde jede Ladung einzeln untersucht und für jedes Teil müsse man eine eigene Genehmigung beantragen. Die WHO habe versucht, acht Mobile Röntgengeräte in den Gazastreifen zu bekommen, das habe zweieinhalb Jahre gedauert, sagte Peeperkorn. „Das ist verrückt.“

Es gebe nur zwei Computertomografen im Gazastreifen, da müsse dringend mehr Kapazität geschaffen werden. Die WHO habe eine Liste mit absolut nötigen Medikamenten und Material erstellt und dringe darauf, dass israelische Behörden diese pauschal genehmigen und nicht bei jeder Lieferung neu prüfen.

41 im Gazastreifen tätige Hilfsorganisationen haben die israelische Regierung aufgefordert, humanitäre Hilfe ungehindert in die Region gelangen zu lassen. Zu den Organisationen gehören unter anderem die Diakonie, die Welthungerhilfe und Ärzte ohne Grenzen (MSF).

Die Hilfswerke kritisieren, in den vergangenen Tagen seien Lieferungen von israelischen Behörden mit der Begründung untersagt worden, die entsprechenden Organisationen seien „nicht befugt“, humanitäre Hilfe nach Gaza zu liefern. Dazu gehören laut der Kritik der Hilfswerke Organisationen, die seit langem bei den palästinensischen und israelischen Behörden als internationale Nichtregierungsorganisationen registriert seien.

„Diese humanitären Organisationen sind keine neuen oder unerprobten Akteure. Es handelt sich um vertrauenswürdige Organisationen, die seit Jahrzehnten im Gazastreifen tätig sind“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der 41 Hilfswerke.

Lebenswichtige Güter im Wert von fast 50 Millionen US-Dollar von internationalen Nichtregierungsorganisationen – Lebensmittel, medizinische Versorgung, Hygieneartikel und Materialien für Unterkünfte – lagerten an Übergängen und in Lagerhäusern und könnten die Bedürftigen nicht erreichen, so die Kritik.

„Die Hilfsgüter sind verpackt, das Personal ist ausgerüstet und bereit, in großem Umfang zu reagieren. Was wir jetzt brauchen, ist Zugang“, schreiben die Hilfswerke.

Am 10. Oktober ist eine Waffenruhe zwischen israelischen Streitkräften und der Terrororganisation Hamas in Kraft getreten. Ausgelöst worden war der Krieg im Gazastreifen durch den Überfall von Kämpfern der Hamas und mit ihr verbündeter Islamisten auf Israel am 7. Oktober 2023.

Nach israelischen Angaben wurden dabei mehr als 1.200 Menschen getötet und 251 Menschen in den Gazastreifen verschleppt. In dem folgenden Krieg wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, mehr als 67.000 Menschen getötet.

dpa/hil

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