Medizin

Gen MYC bedeutsam für B-Zell-Lymphome

  • Montag, 24. September 2012

Berlin – Zwei Untergruppen von B-Zellen, in denen das Gen MYC aktiv ist, hat eine Arbeitsgruppe um Dinis Calado und Klaus Rajewsky vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch identifiziert. Die Untersuchungen zeigen, dass MYC für die Bildung und Aufrechterhaltung der lymphatischen Keimzentren notwendig ist, aber auch Bedeutung für die Entstehung von B-Zell-Lymphomen hat, bei denen MYC oft stark ausgeprägt ist. Die Arbeit ist in Nature Immunology erschienen (doi.org/10.1038/ni.2418).

Keimzentren befinden sich in den Lymphorganen, so in der Milz, den Lymphknoten und in den Peyer´schen Platten im Darm. Hier werden die B-Zellen mit Krankheitserregern konfrontiert und vermehren sich rapide. Damit das Immunsystem der großen Vielfalt an Erregern gewachsen ist, müssen die B-Zellen ihr Erbgut verändern, einerseits durch Mutationen, andererseits, indem sie ihre DNA auseinanderschneiden und neu zusammenfügen.

Das ermöglicht ihnen, hochspezifische Antikörper herzustellen, um Krankheiten effektiv zu bekämpfen. Allerdings sind diese Prozesse mit einer hohen Fehlerrate verbunden, so dass die Wahrscheinlichkeit für bösartige Veränderungen der B-Zellen in Keimzentren besonders hoch ist.

Das MYC-Gen reguliert in vielen Zellen des Körpers die Zellvermehrung. Bei vielen B-Zell-Lymphomen ist MYC übermäßig aktiv, da es fehlerhaft an eine andere Stelle im Erbgut verschoben wurde. Das jedoch stellte die Wissenschaft bisher vor Rätsel, denn Translokationen von MYC können nur in solchen Zellen stattfinden, in denen das Gen aktiv ist. „In den B-Zellen der Keimzentren, aus denen die meisten Lymphome hervor­gehen, ließ sich aber bisher keine MYC-Aktivität nachweisen“, so Rajewsky. Es war also unverständlich, weshalb sich aus B-Zellen der Keimzentren dennoch Lymphome mit erhöhter MYC-Aktivität entwickeln.

Die Forscher wiesen nach, dass es in den Keimzentren Untergruppen von B-Zellen gibt, in denen das MYC-Gen aktiv ist. Weiterhin zeigten sie, dass MYC sogar essentiell ist für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Keimzentren. Blockierten die Forscher MYC, konnten sich keine Keimzentren bilden. „Die MYC-positiven Subpopulationen von Keimzentrums-B-Zellen bergen ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Lymphomen und in der Tat könnten sich viele B-Zell- Lymphome von Zellen dieser Subpopulationen ableiten“, so Calado und Rajewsky.

hil

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