Vom Arztdasein in Amerika

Generation Y

  • Freitag, 10. Mai 2013

Die US-Ärzteschaft ist erstaunlich altmodisch in ihrem Arbeitsethos. Ganz selbstverständlich werden 24- oder 36-Stundenschichten oder Bereitschaftsdienste, die tage- oder gar wochenlang ununterbrochen zu leisten sind, absolviert. Ich bin mittels Piepser und Mobiltelefon oft auch nach auβerhalb meiner Arbeitszeit für Patientenfragen zu erreichen und verbringe Teile meiner freien Tage im Büro und Krankenhaus für allerlei Patientenangelegenheiten. Die Arbeit macht viel Spaβ, ist aber sehr intensiv.

Uns Ärzte in den USA überraschen angesichts unseres Arbeitsfeldes daher die Diskussionen der sogenannten Generation Y in Deutschland. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat mit ihrem Artikel “Frage als Erstes, was man für Dich tun will” erneut einen kurzweiligen Versuch unternommen, dieses diffuse Thema darzustellen.

Es geht in jenem Artikel um die häufig in der Generation Y – also jene Menschen, die nach 1980, bzw. 1985 geboren sind – anzutreffende Meinung, dass nicht der Mensch sich nach dem Beruf, sondern der Beruf sich nach dem Menschen zu richten habe. Es handelt sich also um eine genuine ich-zentrierte Sicht. Manche Mitglieder der Generation Y, die mittlerweile als Jungärzte tätig sind, haben diese Geisteshaltung weiterhin verinnerlichert und empfinden ihre Arbeitskraft und –zeit als derart wichtig, dass sie von ihrem Arbeitgeber ein starkes Entgegenkommen auf ihre Bedürfnisse erwarten. Sie wollen in ihrem Leben die Balance zwischen Konsum, Freizeit, Einkommen und Arbeit so tarieren, dass sie mit einem dauernden Wohlgefühl durch diese Sphären schweben, oft zuungunsten der Arbeit.

Ich habe den Text meinen US-Kollegen übersetzt und eine rege Diskussion als Antwort erhalten. Aus der Warte dieses eingangs von mir als altmodisch titulierten Arbeitsethos in den USA fragen wir uns, ob der Arztberuf überhaupt die Möglichkeit eines derart ich-fixierten Generation Y-Gehabes zulässt. Ist es nicht unethisch, wenn die Gesellschaft viele Ressourcen in Form von 10 bis 15 Jahren Ausbildungszeit (subventioniertes Medizinstudium, daran anschlieβende Anleitung durch Fach- und Oberärzte) investiert, nur damit der Arzt im Anschluss nur noch einen Teil seiner Arbeitskraft in Teilzeit einsetzt? Ist es nicht unmoralisch angesichts eines Arztmangels auf Schichtmodelle zu bestehen, im Wissen dass somit die eigene Arbeitskraft kranken Menschen entzogen wird und ggf. Menschen dadurch zu Schaden kommen? Wieso sind manche Ärzte der Generation Y derart egoistisch?

Man merkt, dass ich nunmehr mehr als zehn Jahre in den USA gelebt und gearbeitet habe; meine Arbeitshaltung ist konservativ. Ich steh aufgrund meines Alters der Generation Y altersbedingt nahe, bzw. bin Teil von ihr, habe aber mental eine andere Einstellung. In den Y-Diskussionen wird meines Erachtens nach zuviel “Ich” und zu wenig “die Patienten” gesagt.

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