Gesellschaft für Virologie für neue Risikobewertung bei Forschung mit Influenzaviren

Stuttgart – Für Forschungsarbeiten mit hochinfektiösen Vogelgrippe-Erregern hat sich die Gesellschaft für Virologie (GfV) ausgesprochen. Nur so könnten Ärzte und Wissenschaftler einen möglichen Übergang auf den Menschen und eine dann mögliche länderübergreifende Ausbreitung der noch unzureichend erforschten H5N1-Viren frühzeitig erkennen oder gar verhindern, so die GfV.
Das Vogelgrippevirus tötete in den letzten Jahren Millionen von Vögeln. Seit 1997 führte es bislang bei weltweit etwas mehr als 600 Menschen zu Erkrankungen. Etwa 60 Prozent der Erkrankten starben. „Dass das Virus bislang nicht zu einer Pandemie führte, beruht in erster Linie darauf, dass es im Gegensatz zu menschlichen Influenzaviren nicht über die Luft von Mensch zu Mensch übertragen wird“, erläutert der Präsident der GfV, Thomas Mertens vom Universitätsklinikum Ulm.
In vereinzelten Fällen trat möglicherweise aber doch eine Mensch-zu- Mensch-Übertragung auf. „Wir sehen das H5N1-Virus daher als Hauptkandidaten einer möglichen künftigen Pandemie“, so Mertens. Umso wichtiger sei es, die Studien in Tiermodellen fortzusetzen.
Um die nötige Sicherheit im Labor zu gewährleisten, hat die deutsche Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit (ZKBS) jetzt das Risiko der genetisch flexiblen Viren neu bewertet: Danach dürfen Experimente mit hochgefährlichen Influenza-A-Viren der Subtypen H5 und H7, bei denen Virologen die Luftübertragbarkeit zwischen Säugetieren testen, künftig nicht mehr in Laboratorien der Sicherheitsstufe 3, sondern nur in solchen der Sicherheitsstufe 4 durchgeführt werden, das heißt unter Bedingungen, die auch für Arbeiten mit hochgefährlichen Ebola-, Lassa- und Pocken-Viren gelten.
Die GfV begrüßt die verschärfte Sicherheit. Weltweit gibt es 15 Laboratorien der Sicherheitsstufe 4. Die sogenannten BSL4-Laboratorien sind gegen die Außenwelt abgeschottet und die Mitarbeiter tragen eine Art Raumanzug. In Deutschland befinden sich diese Hochsicherheitslabore in Marburg und Hamburg.
Grundsätzlich müsse der Erkenntnisgewinn und der gesellschaftliche Nutzen das Risiko solcher Studien deutlich überwiegen. „Dies nach bestem Wissen und Gewissen zu prüfen, liegt auch in der besonderen Verantwortung der Wissenschaftler“, betont die GfV.
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