Ausland

Gesundheitsreform in China: Versicherungsschutz fast flächendeckend

  • Montag, 10. Juni 2013

Berlin – „Sehr sicher“ sei davon auszugehen, dass China spätestens im Jahr 2017 die USA als größte Ökonomie der Welt abgelöst haben werde. Das sagte der Präsident des Handelsblatt Research Institute, Bert Rürup, auf dem 6. Symposium der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Medizin auf dem Hauptstadtkongress vergangene Woche in Berlin. Umbauten im Gesundheitssystem könnten dabei dazu beitragen, das hohe Wirtschaftswachstum des Landes auch noch einige Jahre durchzuhalten.

2009 hat die chinesische Regierung eine umfangreiche Gesundheitsreform angestoßen. Über deren aktuellen Stand berichtete der Vizedirektor der Abteilung für strukturelle Reformen der erst im März gegründeten „National Health and Family Planning Commission of China“, Gan Ge. Ein wichtiges Ziel der Reform, eine grundlegende Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, sei mittlerweile weitgehend realisiert, sagte Gan. Die Basisversicherung habe heute einen Deckungsgrad von 95 Prozent.

Aufbau von Gesundheitsstation in ländlichen Regionen
Zudem habe China viele Mittel freigemacht, um den Aufbau der Primärversorgung in den Regionen zu gewährleisten. So hätten inzwischen 90 Prozent der Dörfer eine eigene Gesundheitsstation. Auch sei der staatliche Zuschuss für die Landbevölkerung erhöht worden. Habe er im Jahr 2000 noch 20 Yuan betragen, so seien es im vergangenen Jahr 240 Yuan gewesen, berichtete Gan. 

Wie in Deutschland gibt es auch in China einen Ärztemangel in ländlichen Regionen. Um diesen zu beheben, würden im Landesinneren kostenlose Fortbildungskurse für Ärzte angeboten, so Gan. Auch für die Zukunft sei es ein wichtiges Ziel, Ärzte zu motivieren, in ländlichen Regionen zu arbeiten.

In den vergangenen Jahren sei es zudem gelungen, die Qualität der Versorgung zu verbessern. So sei die Sterblichkeit von Schwangeren bei der Geburt von 34,2 von 100.000 Frauen im Jahr 2008 auf 24,5 von 100.000 im Jahr 2012 gesenkt worden. Im gleichen Zeitraum sei die Säuglingssterblichkeit von 14,9 Promille auf 10,3 Promille gesunken und die Anzahl der Krankenhausbehandlungen von 49 auf 68 Milliarden gestiegen.

DMP-Programme eingeführt
Disease-Management-Programme seien in den Bereichen Hypertonie und Diabetes mellitus eingeführt worden, erklärte Gan. Auch erhielten 50 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahren eine kostenlose medizinische Kontrolluntersuchung.

Im Bereich der Finanzierung des Systems habe es ebenfalls Veränderungen gegeben. „Wir haben durch Ausschreibungs- und Einkaufsmechanismen eine Absenkung der Arzneimittelpreise um 30 Prozent erreichen können“, berichtete Gan. Zudem sei der Eigenanteil der Bevölkerung bei privaten Zuzahlungen von 40,4 Prozent im Jahr 2008 auf 34,4 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. In Deutschland liegt er bei etwa zehn Prozent.

Die Gesundheitsreform bleibe weiterhin ein Schwerpunkt der Politik, betonte Gan abschließend. Ein wichtiges Ziel bleibe die Reform der öffentlichen Krankenhäuser. In diesem Rahmen soll insbesondere das private Krankenhauswesen vorangetrieben werden.

fos

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