Gewalt gegen ältere und pflegebedürftige Menschen häufig

Berlin – Rund jeder zehnte Senior berichtet von Übergriffen in seinem direkten Umfeld – wobei von einer großen Dunkelziffer auszugehen ist. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hin.
Die Formen von Gewalt sind laut der Fachgesellschaft vielfältig und reichen von Vernachlässigung und finanzieller Ausbeutung bis hin zu körperlichen Übergriffen und sexuellem Missbrauch. Speziell pflegebedürftige Menschen seien von anderen abhängig und dadurch gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden. Zu den Risikofaktoren gehörten unter anderem soziale Isolation, körperliche Behinderungen und die Beeinträchtigung kognitiver Fähigkeiten, zum Beispiel durch Demenz.
Häufig zählen die Täter zu den Bezugspersonen ihres Opfers. „Das können Familienangehörige, aber auch professionelle Pflegekräfte sein“, erläutert die DGG-Expertin Barbara Hanussek. Durch die persönliche Beziehung sei es schwierig, Gewalttaten aufzudecken. Die Ärztin für Innere Medizin und Geriatrie betont aber, dass es nicht hilfreich sei, die Täter pauschal zu kriminalisieren. Gerade im Rahmen häuslicher Pflege, wenn Ehepartner oder Kinder die Betreuung übernähmen, könnten die Gewalttaten auch Folge von Überforderung sein. „Umso wichtiger ist es, rechtzeitig einzugreifen und Hilfe anzubieten, um eine Situation zum Vorteil aller Beteiligten zu deeskalieren“, so Hanussek.
Dem Thema „Gewalt in der Pflege“ hat sich auch das Zentrum für Qualität in der Pflege angenommen. Eine Internetseite, eine Krisenhotline und Broschüren bieten Hilfestellung für Pflegebedürftige, Angehörige und professionell Pflegende.
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