Glioblastom kann auch aus Nervenzellen entstehen

La Jolla – Das Glioblastoma multiforme, der aggressivste Hirntumor mit weiterhin schlechten Therapieergebnissen, leitet sich nicht nur, wie bisher angenommen, aus Gliazellen, dem Stützgewebe des Gehirns, ab. Laut einer Studie in Science (2012; doi: 10.1126/science.1226929) können Gliome auch aus dedifferenzierten Neuronen entstehen.
Forscher des Salk Institute in La Jolla/Kalifornien haben vor drei Jahren ein Mäusemodell des Glioblastoms entwickelt. Bei den Tieren kann der Hirntumor durch ein Lentivirus ausgelöst werden, das (mittels sogenannter RNA-Interferenz, Nobelpreis 2006) zwei körpereigene Tumorsuppressor-Gene ausschaltet. Es handelt sich um das Neurofibromatosis Typ I Gen (NF1) und um p53. NF1 ist auch bei 18 Prozent aller Glioblastome mutiert. Ein Ausfall von p53 tritt bei 35 Prozent dieser Tumoren auf, so dass das Modell tatsächlich die Krebsentstehung beim Menschen nachstellt.
Bei ihren Experimenten stellte die Gruppe um Inder Verma nun überraschenderweise fest, dass die Lentiviren nicht nur Gliazellen zum Krebswachstum anregen, sondern auch die hochspezialisierten Nervenzellen. Dies geschieht über eine Zwischenstufe, in der die Nervenzellen ihre Form und Funktion aufgeben und sich in Vorläuferzellen zurückverwandeln oder dedifferenzieren.
Dieser Prozess der Dedifferenzierung könnte Ansätze für neue Therapien liefern, hoffen die Forscher. Andererseits erkläre das Phänomen vielleicht, warum die Therapie des Glioblastoma multiforme derzeit nur geringe Erfolge zeige. Nur wenige Patienten überleben den Tumor länger als 1 bis 2 Jahre.
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