Global Burden of Disease: Schlaganfälle zu 90 Prozent vermeidbar - Luftverschmutzung als Risiko

Auckland - Neun von zehn Schlaganfällen sind vermeidbar und fast ein Drittel ist weltweit Folge der Luftverschmutzung. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse der Global Burden of Disease Study in Lancet Neurology (2016; doi: 10.1016/S1474-4422(16)30073-4).
Jedes Jahr erleiden etwa 15 Millionen Menschen einen Schlaganfall: Fast sechs Millionen sterben daran und bei weiteren fünf Millionen kommt es zu dauerhaften Behinderungen. Dazu gehören neben einer halbseitigen Lähmung auch der Verlust von Sehvermögen und/oder Sprache sowie eine Demenz.
Schon die INTERSTROKE-Studie (Lancet 2010; 376: 112–123) war zu dem Ergebnis gekommen, dass 86 Prozent aller Schlaganfälle auf neun modifizierbare Risikofaktoren zurückzuführen sind und damit im Prinzip vermeidbar wären. Valery Feigin von der Auckland University of Technology kommt in ihrer Analyse zu ähnlichen Ergebnissen: 90,5 Prozent aller Schlaganfälle sind danach auf vermeidbare Risikofaktoren zurückzuführen: Dies waren in der Rangfolge ihrer Bedeutung: Bluthochdruck, geringer Verzehr von Obst, hoher Body-Mass-Index, hoher Salzkonsum, Rauchen, geringer Verzehr von Gemüse, Luftverschmutzung in der Umwelt, Luftverschmutzung im Haushalt (durch Kohleofen und Herd), geringer Verzehr von Vollkornprodukten und hoher Blutzucker.
Ähnlich wie in der INTERSTROKE-Studie ist der größte Verlust an Lebensjahren ohne Behinderungen („disability-adjusted life years“, DALY) auf ein ungesundes Verhalten zurückzuführen. Rauchen, schlechte Ernährung und Bewegungsmangel haben laut den Berechnungen von Feigin einen Anteil von 74,2 Prozent. Das Verhalten führt zu Verschlechterungen der Stoffwechselparameter, zu denen ein hoher systolischer Blutdruck, ein hoher Body-Mass-Index, hohe Blutzuckerwerte, hohes Gesamt-Cholesterin und eine niedrige glomeruläre Filtrationsrate (als Hinweis auf eine Nierenschädigung) zählen.
Dieser „metabolische Cluster“ ist mit 72,4 Prozent aller Schlaganfälle assoziiert. Ein Unterschied zur INTERSTROKE-Studie ist ein hoher Einfluss der Luftverschmutzung in Umwelt und Haushalt. Auf sie sind nach den Berechnungen von Feigin allein 29,2 Prozent aller verlorenen DALY zurückzuführen.
Anders als die INTERSTROKE-Studie lässt die Global Burden of Disease Study eine regionale Analyse zu, auch wenn die Datenbasis ziemlich wacklig ist. Denn die meisten Länder der Erde haben keine Krankenregister. Feigin musste hier aus anderen Quellen heraus die Häufigkeit des Schlaganfalls abschätzen.
Es gibt regionale Unterschiede: Ein hoher Salzkonsum ist vor allem in ärmeren Ländern häufig, vielleicht weil dort Salz zur Konservierung von Nahrungsmitteln benötigt wird. Die ausgeprägte Luftverschmutzung ist in Südost-Asien, aber auch in Afrika südlich der Sahara eine wichtige Ursache. Der Anteil an allen verlorenen DALY beträgt dort bis zu 40 Prozent. In Russland und Weißrussland ist dagegen der Alkoholkonsum für fast 15 Prozent aller verlorenen DALY infolge von Schlaganfällen verantwortlich.
Feigin vergleicht die Ergebnisse mit einer früheren Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 1990. Danach ist der Einfluss des Passivrauchens zurückgegangen. Zugenommen habe dagegen der Einfluss einer ungesunden Ernährung und hier vor allem die Zunahme bei den Süßgetränken. Steuergesetze wären nach Ansicht von Feigin am ehesten geeignet, die Bevölkerung zu einem gesünderen Verhalten zu bewegen.
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