Medizin

Gonorrhö: Immer mehr Infektionen in Europa

  • Mittwoch, 1. Juni 2016
Uploaded: 22.01.2015 17:38:11 by mis
/dpa

Stockholm – Seit 2008 hat sich die Zahl der Infektionen mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae in Europa mehr als verdoppelt. Erstmals verzeichnet der Report des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) mehr Fälle bei Frauen als bei heterosexuellen Männern.

Caption Between 2008 and 2014, the overall rate of reported gonorrhea infections has more than doubled across Europe, going up from 8 per 100,000 population to 20 cases per 100,000 persons. Credit European Centre for Disease Prevention and Control. Annual Epidemiological Report 2016 - Gonorrhoea. [Internet]. Stockholm: ECDC; 2016. Available from: bit.ly/1OZXG3b Uploaded: 01.06.2016 14:14:33 by gießelmann
European Centre for Disease Prevention and Control. Annual Epidemiological Report 2016 - Gonorrhoea

Insgesamt wurden 66.413 Fälle von Gonokken-Infektionen in 27 Ländern Europas untersucht. Die höchste Infektionsrate wurde im United Kingdom (60 per 100000) beobachtet, gefolgt von Irland (28/100.000), Dänemark (20/100.000) und Lettland (18/100.000). Am häufigsten waren mit 38 % 15- bis 24-jährige betroffen und 25- bis 34-Jährige mit 34 %. Für Deutschland liegen Zahlen nur aus Sachsen vor, da die bundesweite Meldepflicht 2001 abgeschafft wurde (wir haben im Juli 2015 berichtet).

Besorgniserregend sei vor allem der Anstieg bei den Frauen, meldet das ECDC in einer Pressemeldung. Denn die Infektion begünstigt Komplikationen des Fortpflanzungs­traktes, wie etwa Unterleibsentzündungen. Unbehandelt berge sie die Gefahr der Unfruchtbarkeit. Schwangere können die Bakterien auch auf ihr Kind übertragen.

Für die Behandlung empfiehlt die europäische Leitlinie eine Antibiotika-Kombination aus Azithromycin mit Ceftriaxon oder Cefixim. Die neuesten Daten des European Gonococcal Antimicrobial Surveillance Programms (Euro-GASP) zeigen, dass die Resistenzen gegen Azithromycin zunehmen, während die Resistenzen gegen Ceftriaxon und Cefixim stabil bleiben. Schon eine geringe Zunahme der Resistenzen gegen diese beiden Cephalosporine der 3. Generation würde die Therapie jedoch gefährden.

gie

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung