Hämodialyse: Fischölkapseln und ASS können AV-Fistel in Studie nicht erhalten
Perth – Weder eine Behandlung mit Acetylsalicylsäure (ASS) noch die Einnahme von Fischölkapseln haben in einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Internal Medicine (2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.8029) die Versagerrate eines AV-Shunts vermindert, die ein ungelöstes Problem in der Betreuung von Dialyse-Patienten sind.
Der AV-Shunt, eine chirurgisch angelegte Fistel zwischen Arterie und Vene, ist ein probates Mittel, um bei Patienten mit chronischem Nierenversagen den für die Hämodialyse notwendigen hohen Blutfluss herzustellen. Viele AV-Shunts haben jedoch nur eine kurze Lebensdauer. Ein Grund ist die fehlende „Reifung“ des AV-Shunts.
Die Gefäßwände der Vene müssen sich an den erhöhten Blutfluss gewöhnen, weshalb ein neu angelegter AV-Shunt erst nach mehreren Wochen verwendet wird. Die häufigen Punktionen gehen zudem mit Verletzungen der Gefäßwand einher, die das Thromboserisiko erhöhen. Beides vermindert die „Überlebenszeit“ der AV-Shunts.
In den letzten Jahren wurden zwei Strategien propagiert, die die Funktion der AV-Shunts über längere Zeit erhalten sollen. Die erste besteht in der Einnahme von Fischöl-Kapseln. Diese enthalten die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), denen eine günstige Wirkung auf die Funktion der Gefäßwand nachgesagt werden. Die zweite Strategie besteht in der Gabe des Thrombozytenaggregationshemmers ASS, der die Thrombose-Rate senken soll.
Beide Strategien wurden in der FAVOURED-Studie (Fatty Acids and Aspirin in Vascular Access Outcomes in Renal Disease) in 35 Dialysezentren in Australien, Neuseeland, Malaysia und Großbritannien an einer Gruppe von 537 Patienten getestet. Alle Patienten wurden auf die Einnahme von Fischölkapseln in einer Dosis von 4 Gramm pro Tag oder Placebo randomisiert. Eine Untergruppe von 406 Patienten wurde außerdem auf eine Therapie mit ASS (100 mg/die) oder Placebo randomisiert (bei den anderen war eine ASS-Therapie aus anderen Gründen indiziert).
Primärer Endpunkt der Studie war ein Fistelversagen, ausgelöst durch eine Thrombose oder Aufgabe des Shunts aus einem anderen Grund. Wie Ashley Irish vom Fiona Stanley Hospital in Murdoch bei Perth und Mitarbeiter berichten, hat keine der beiden Strategien die Überlebenszeit der AV-Shunts verlängert. Mit und ohne Fischöl-Kapseln kam es bei 47 Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres zu einem Fistelversagen, dessen Rate auch unter der ASS-Behandlung nicht gesenkt wurde.
Die ASS-Prophylaxe war auch nicht in der Lage, die Patienten vor einer Fistelthrombose zu schützen, die mit und ohne ASS bei etwa 20 Prozent der Patienten im ersten Jahr auftrat. Für Irish gibt es deshalb keinen Grund, den Patienten Fischölkapseln oder ASS zur Fistelerhaltung zu verordnen.
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