Medizin

Hakenwürmer verhindern Zöliakiesymptome

  • Dienstag, 30. September 2014

Townsville/Cairns – Patienten die an einer Zöliakie leiden, könnten durch eine beab­sichtigte Infektion mit Hakenwürmern ihr Glutentoleranz erheblich verbessern. Dies legen zumindest die Ergebnisse einer kleinen Studie an der James Cook University nahe. Die Arbeitsgruppe um Paul Giacomin berichtet im Journal of Allergy and Clinical Immunology über ihre Ergebnisse und möglichen klinischen Implikationen (http://dx.doi.org/10.1016/j.jaci.2014.07.022).

Zöliakie-Patienten leiden an einer Glutenunverträglichkeit, die eine strenge Diät erfor­dert. Besonders problematisch ist, dass oft selbst kleinste Mengen des Klebereiweißes Gluten ausreichen, um die typische Symptomatik mit Bauchkrämpfen, Durchfällen und Erbrechen auszulösen. Die teilweise unzureichende Kennzeichnung von Lebensmitteln und die ausgeprägten Symptome können die Lebensqualität der Patienten ein­schränken.

In den entwickelten Ländern ist laut der Forscher dieses Krankheitsbild wesentlich häufiger als in Entwicklungsländern. Als ein möglicher Grund hierfür wird der in armen Ländern wesentlich häufigere parasitäre Befall des Dünndarms mit Würmern ange­nommen. Der Befall verändere, so die Theorie der Arbeitsgruppe, immunologische Prozesse zum Vorteil der Zöliakie-Patienten.

Die Forscher infizierten zwölf Zöliakie-Patienten mit jeweils 20 Larven des Hakenwurms (Necator americanus). Die Teilnehmer nahmen über einen Zeitraum von zwölf Monaten steigende Glutenmengen zu sich. Zu Beginn betrug die Dosis lediglich zehn Milligramm täglich, steigerte sich jedoch letztlich auf drei Gramm, was in etwa 60 bis 75 Spaghetti entspricht.

Die Wissenschaftler kontrollierten während der Studie Symptomatik, Darmhistologie und T-Zellen im Darm der Patienten. Von den zwölf Patienten beendeten acht Teilnehmer die Studie. Alle acht Teilnehmer konnten die relativ hohe Glutendosis tolerieren, ohne dass sich ihre Symptomatik verschlechterte. Gewebeproben, die den Patienten aus dem Dünndarm entnommen wurden, zeigten nach den ersten Dosissteigerungen ebenfalls keine strukturelle Schädigung durch die Glutenzufuhr.

Der Lymphozytengehalt des Darmgewebes änderte sich zwar nicht, jedoch wechselte die proinflammatorische T-Zellen zu einer antiinflammatorischen T-Zellpopulation. Alle Patienten gaben eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität an und lehnten eine Behandlung der Wurminfektion nach Studienende ab.

Allerdings ist eine Hakenwurminfektion nicht ungefährlich. Insbesondere für Schwangere, Kinder und unterernährte Patienten kann die Infektion nach Angaben der Wissen­schaftler sogar lebensgefährlich sein. Die Forscher vermuten jedoch, dass die Symp­tomlinderung durch Proteine ausgelöst wird, welche die Hakenwürmer sekretieren. Die genauere Identifikation und Analyse dieser Proteine könnte nach Meinung der Forscher ein vielversprechender Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Medikamente sein.

hil

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