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Hantavirus: Drei Tote auf Kreuzfahrtschiff im Atlantik

  • Montag, 4. Mai 2026
/picture alliance, Visually, paolo gislimberti
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Kap Verde – Nach einem möglichen Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff ist nach Angaben des Schiffsbetreibers auch ein deutscher Passagier gestorben.

Gestern sei die Person an noch ungeklärter Ursache an Bord der „Hondius“ gestorben, teilte der niederländische Reiseveranstalter Oceanwide Expeditions mit. Weitere Einzelheiten wie Geschlecht oder Alter waren zunächst unbekannt. Von deutschen Behörden gab es zunächst keine Informationen zu dem Fall.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass zwei Niederländer – ein älteres Ehepaar – gestorben waren. Der Mann war nach den neuesten Angaben des Betreibers bereits am 11. April an Bord verstorben und eine Frau am 27. April, als sie bereits auf der Heimreise war. Wie bei dem deutschen Passagier sei auch bei diesen beiden Todesfällen unbestätigt, ob sie mit einem möglichen Ausbruch des Hantavirus an Bord zusammenhängen.

Zweifelsfrei bestätigt ist das Virus demnach nur in einem Fall: Am 27. April war ein weiterer Passagier an Bord schwer erkrankt. Er werde zur Zeit auf der Intensivstation in Johannesburg behandelt. Sein Zustand sei kritisch, aber stabil. Bei diesem Patienten wurde nach Angaben des Unternehmens das Hantavirus festgestellt. Der niederländische Schiffsbetreiber erklärte, er könne zur möglichen Ursache der möglichen Infektionen bislang nichts sagen.

Zwei Crewmitglieder, ein Brite und ein Niederländer, seien ebenfalls erkrankt. Beide hätten Probleme mit den Atemwegen, einer habe schwere, der andere milde Symptome. Bei beiden sei die Infektionsursache unklar und das Hantavirus sei noch nicht bestätigt worden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die Fälle der Gestorbenen sowie die weiteren Infizierten – neben dem bestätigen Fall – jedoch als Hantavirus-Verdachtsfälle. Die Passagiere und die Crew erhielten medizinische Unterstützung, hieß es von der WHO. Eine detaillierte epidemiologische Untersuchung sei im Gange.

Das Schiff des niederländischen Betreibers Oceanwide Expeditions hat für 170 Passagiere und etwa 70 Besatzungsmitglieder Platz. Es handelt sich um das Schiff „Hondius“. Laut Fahrplan des Schiffes war es von Ushuaia im Süden Argentiniens aufgebrochen. Nach Angaben verschiedener Ortungs-Websites befand sich das Schiff zuletzt vor seinem Zielhafen auf Kap Verde.

„Das ist ein außergewöhnliches Infektionsgeschehen, das man in dieser Form auf einem Kreuzfahrtschiff nicht erwarten würde“, sagte Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und Entomologie, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM).

Hantaviren würden normalerweise durch infizierte Nagetiere übertragen. Die Infektion des Menschen erfolge typischerweise durch Einatmen von erregerhaltigem Staub, der mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Nagetiere kontaminiert sei, oder durch direkten Kontakt mit solchen Ausscheidungen.

„Der Mensch ist bei den meisten Hantaviren ein Fehl- beziehungsweise Endwirt, sodass keine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfindet. Eine wichtige Ausnahme ist jedoch das südamerikanische Andes-Virus“, betonte Schmidt-Chanasit. Für dieses Hantavirus sei eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei engem Kontakt beschrieben.

„Da das Schiff aus Südargentinien kam, muss diese Möglichkeit differenzialdiagnostisch ernst genommen werden.“ Wichtig sei aber zunächst, dass es sich nach den bisher öffentlich verfügbaren Informationen bei mehreren Fällen noch um Verdachtsfälle handele. „Entscheidend wird daher die virologische Bestätigung und Sequenzierung sein“, so Schmidt-Chanasit.

Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri Kluge, gab gewisse Entwarnung. „Das Risiko für die breite Öffentlichkeit ist weiterhin gering.“ Reisebeschränkungen seien nicht erforderlich. Hantavirus-Infektionen seien selten und hingen in der Regel mit Kontakten zu infizierten Nagetieren zusammen, hieß es weiter. Erkrankungen verliefen zwar in manchen Fällen schwerwiegend, das Virus sei aber nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

dpa

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