Hepatitis C auch sexuell übertragbar
Zürich – Das Übertragungsrisiko von Hepatitis C durch Sexualkontakte wird möglicherweise unterschätzt. Dies legt eine Auswertung der Schweizerischen HIV-Kohorte im International Journal of Epidemiology (2014; doi: 10.1093/ije/dyt276) nahe.
Die Infektion mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) erfolgt nach gängiger Lehrmeinung in erster Linie parenteral durch den Kontakt zu kontaminiertem Blut. Dies schließt zwar eine sexuelle Übertragung nicht grundsätzlich aus, zumal wenn riskante Sexualpraktiken gewählt werden. Insgesamt wird das Ansteckungsrisiko jedoch als gering eingestuft.
Die Wirklichkeit sieht, jedenfalls in der schweizerischen HIV-Kohorte, anders aus. Wie Roger Kouyos und Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich berichten, ist jeder dritte Teilnehmer der Kohorte mit HCV koinfiziert – und bei den wenigsten ist dies auf einen intravenösen Drogenkonsum unter hygienisch prekären Verhältnissen zurückzuführen.
Die schweizerische HIV-Kohorte besteht seit 1988. Sie umfasst die Daten und Laborproben von fast 10.000 Patienten. Da die Viren genetisch untersucht werden, lassen sich – auch streng anonymisiert – die Übertragungswege häufig rekonstruieren. Kouyos und Günthard haben 1.555 solcher „Patienten-Paare“ daraufhin untersucht, ob sie auch mit Hepatitis C infiziert waren.
Dabei zeigte sich, dass HIV-Patienten mit einem HIV/HCV-positiven Partner ein mehr als dreimal höheres Risiko hatten, mit Hepatitis C infiziert zu sein, als andere HIV-Positive (Odds Ratio 3,2; 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,2-4,7). Das erhöhte Risiko war nicht nur bei drogenabhängigen, sondern auch bei homosexuellen und bei heterosexuellen HIV-Patienten zu beobachten. Für die Autoren ist dies ein klarer Hinweis darauf, dass es sexuelle Übertragungen von Hepatitis C gibt und dass diese keineswegs selten sind.
Vor allem Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, scheinen gefährdet zu sein. Als mögliche Ursache vermuten Kouyos und Günthard riskante Sexualpraktiken wie den Analverkehr, bei dem es leicht zu Verletzungen und Blutungen kommen kann. Zu diesem Ergebnis war vor einigen Jahren auch die KABaSTI-Studie des Robert-Koch-Instituts gekommen, die HIV-positive MSM befragt hatte (PLoS ONE 2011; 6: e17781).
Beide Studien lassen keinerlei Aussage über das Übertragungsrisiko durch heterosexuelle Kontakte unter Nicht-HIV-Infizierten zu. Da die Hepatitis C ähnlich der HIV-Infektion selten mit einer symptomatischen Primärinfektion einhergeht, dürften die Infektionen in der Regel unbemerkt bleiben. Infektiologen raten deshalb dringend zum Kondomgebrauch bei sexuellen Kontakten mit häufig wechselnden Partnern.
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