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Herzstiftung: Vorgeburtliche Erkennungsrate kritischer Herzfehler zu gering

  • Mittwoch, 29. April 2026
/Nejron Photo, stock.adobe.com
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Frankfurt am Main – In Deutschland werden kritische Herzfehler zu selten vorgeburtlich erkannt. Das kritisieren die Deutsche Herzstiftung, das Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler (ABAHF) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK).

Zum Tag des herzkranken Kindes am 5. Mai fordern sie bessere Standards und einen Qualitätsschub für das pränatales Herz-Screening in Deutschland.

Angeborene Herzfehler sind die häufigste angeborene Fehlbildung. Ein Prozent aller Neugeborenen – etwa 8.700 Kinder pro Jahr – kommen nach Angaben der Stiftung mit einem Herzfehler in Deutschland zur Welt. Ein Viertel dieser Kinder muss unmittelbar nach der Geburt behandelt werden.

„Obwohl es dank der Pränataldiagnostik längst möglich ist, relevante angeborene Herzfehler bereits im Mutterleib zu erkennen, bleiben zu viele kritische Herzfehler unentdeckt – mit zum Teil gravierenden Folgen für das Kind“, kritisiert die Kinderkardiologin Ulrike Herberg, Erste Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK).

Die pränatale Detektionsrate liege in Deutschland bei 32 bis 38 Prozent. „Andere europäische Länder mit einem besseren Screening haben viel höhere Raten von nahezu 87 Prozent wie Frankreich“, betonte Herberg.

Zum Routinescreeningangebot für alle Schwangeren gehört in Deutschland eine Ultraschallbasisdiagnostik um die 10. Schwangerschaftswoche zur Beurteilung der Herzaktivität. Ultraschalluntersuchungen um die 20. und um die 30. Schwangerschaftswoche enthalten außerdem eine Beurteilung des fetalen Herzens – Herzgröße und Herzrhythmus – sowie oft auch die Beurteilung von Anomalien im sogenannten 4-Kammerblick.

„Somit spielen diese Basisuntersuchungen eine große Rolle dabei, angeborene Herzfehler frühzeitig zu entdecken“, erläuterte Renate Oberhoffer, Leiterin des Lehrstuhls Präventive Pädiatrie der School of Medicine and Health der Technischen Universität München. Trotz dieses Routineangebots sei die Detektionsrate in Deutschland aber eher niedrig.

Als Hauptursachen für die niedrigen Erkennungsraten durch das Screening in Deutschland nennen Oberhoffer und Herberg unter anderem nicht ausreichende Screeningmethoden in der Basisdiagnostik: Es würden nur der 4-Kammerblick, die Lage des Herzens und der Herzrhythmus beurteilt, weitere wichtige Screeningschnitte fehlten, zum Beispiel die Betrachtung des fetalen Herzens in weiteren Schallebenen für die Untersuchung der Ausflusstrakte und der großen Gefäße.

Diese seien in anderen Ländern als standardisierte Screeningmethode etabliert und führten zu einer höheren Detektionsrate. Außerdem erhielten nicht alle Schwangeren in Deutschland standardisiert einen detaillierten Herzultraschall: Erst Auffälligkeiten in der Standardultraschalluntersuchung zögen im Allgemeinen eine spezialisierte fetale Herzuntersuchung nach sich.

Außerdem sehen die Fachgesellschaft und die Stiftung Qualitätsmängel bei der Durchführung des Screenings. „Pro screenendem Arzt/Ärztin ist die Fallzahl und damit Erfahrung gering“, kritisieren sie. Die Qualität des Screening sei „heterogen“. „Eine durchgängige, systematisch überprüfte diagnostische Qualität und ein nationales Register fehlen“, so die Kritik.

„Ein routinemäßiges pränatales Herz-Screening in der Schwangerenvorsorge ist in Deutschland nicht ausreichend gewährleistet: Es fehlt an besseren, den internationalen, aktuellen Empfehlungen entsprechenden Screening-Standards, einer Qualitätssicherung und strukturierter Fortbildung von medizinischen Fachkräften“, ziehen die Fachorganisationen ein Fazit.

hil

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