Hilfsorganisationen fordern Zugang zu Flughafen im Jemen

Bonn/Sanaa – Hilfsorganisationen fordern Zugang zum gesperrten Flughafen in Jemens Hauptstadt Sanaa. Der Flughafen müsse dringend wieder für den kommerziellen Luftverkehr und Krankentransporte geöffnet werden, teilte Care gestern in Bonn mit. Der Flughafen wurde im August 2016 von der saudi-arabischen Militärkoalition geschlossen. Seitdem verschärften sich die Versorgungsengpässe. Rund 16 Millionen Menschen seien von medizinischer Versorgung abgeschnitten, hieß es.
Der Flughafen in Sanaa sei für einen Großteil der Bevölkerung ein Symbol für Aggression und Unterdrückung, sagte der Care-Länderdirektor für den Jemen, Johan Mooij. Seit der Teilschließung habe es 56 Luftschläge auf den Flughafen gegeben. „Wir müssen es so deutlich sagen: Es landen mehr Bomben als Passagiere in Sanaa.“
Der Länderdirektor des Norwegian Refugee Council (NRC), Mohamed Abdi, betonte, der Krieg im Jemen töte nicht nur durch Waffen und Kugeln. Millionen Jemeniten lebten wie in einem Gefängnis zwischen dem Frontverlauf und befeindeten Gruppen. Mit dem geschlossenen Flughafen bleibe auch die lebenswichtige medizinische Versorgung aus.
Es fehle Zugang zu sauberem Trinkwasser und Nahrung, so die Organisationen. Die Menschen seien anfällig für Krankheiten. Inzwischen sei der dritte Ausbruch von Cholera registriert worden. Seit April 2017 seien rund eine Million Neuinfektionen im Land gezählt worden.
Im Jemen, dem ärmsten Land der Arabischen Halbinsel, liefern sich seit Jahren schiitische Huthi-Rebellen und die sunnitisch geprägte Zentralregierung einen Machtkampf. Eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition fliegt seit 2015 Luftangriffe gegen die Rebellen und unterstützt die Zentralregierung. Weitere arabische Staaten, die USA, Großbritannien und Frankreich sind ebenfalls beteiligt. Der mehrheitlich schiitische Iran unterstützt die Huthi. Seit Beginn des Bürgerkrieges sind rund 10.000 Menschen gestorben.
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