Medizin

Hilft Amphotericin B? Darmpilze verstärken alkoholischen Leberschaden in Studie

  • Mittwoch, 24. Mai 2017

San Diego – Eine gestörte Darmflora mit einer Vermehrung von Hefepilzen trägt möglicherweise zur Entwicklung der alkoholischen Leberzirrhose bei. Tierexperimentelle Studien im Journal of Clinical Investigation (2017; doi: 10.1172/JCI90562) zeigen, dass über eine gestörte Schleimhautbarriere Pilzbestandteile in die Leber gelangen und dort die entzündlichen Veränderungen vorantreiben. Eine Darmsanierung mit Amphotericin B hat bei Mäusen die Leberwerte verbessert.

Ein chronischer Alkoholkonsum geht mit einer Veränderung der Darmflora einher. Über eine gestörte Darmbarriere gelangen Bestandteile von Bakterien, aber auch von Pilzen in die Pfortader. In der Leber werden die Fremdstoffe normalerweise von den Kupffer-Zellen beseitigt. Bei einer vorgeschädigten Leber ist das Abwehrsystem möglicherweise überfordert. Die Kupffer-Zellen können dann durch die Freisetzung von Zytokinen die Entzündung der Leber vorantreiben. Es kommt zum Untergang von Leberzellen und schließlich zum narbigen Umbau der Leber, der Zirrhose.

Ein Team um Bernd Schnabl von der San Diego School of Medicine hat den Einfluss von Darmpilzen in einer Reihe von Experimenten bei Mäusen untersucht. Eine alkoholhaltige Diät führte bei den Tieren bereits nach acht Wochen zu einer Veränderung der Darmflora. Es kam zu einem vermehrten Wachstum von Hefepilzen, und Beta-Glucan, ein Bestandteil der Pilzwände, war in höherer Konzentration im Blut nachweisbar. Eine Behandlung mit Amphotericin B, einem gegen Candida wirksamen Antimykotikum, senkte die Beta-Glucan-Konzentration im Blut. 

Auch die Leberwerte besserten sich. Schnabl vermutet, dass die verminderte entzündliche Aktivität der Kupffer-Zellen dafür verantwortlich ist, dass die Leber der Tiere trotz der chronischen Alkoholzufuhr weniger Schaden nahm. Experimente mit genetisch modifizierten Mäusen, die keine Kupffer-Zellen bilden können, bestätigte den Verdacht. Alkohol richtete bei diesen Tieren deutlich weniger Schäden an als bei Tieren mit einer normalen Abwehr von Beta-Glucan. Weitere Experimente zeigten, dass die Freisetzung von Interleukin 1beta für den Untergang der Leberzellen verantwortlich ist.

Die Forscher untersuchten auch Stuhlproben von 20 Personen mit chronischem Alkoholmissbrauch. Der Artenreichtum der Pilzarten, die bei acht gesunden Kontrollen gefunden wurde, war in allen Stadien der Alkoholkrankheit stark eingeschränkt. Zu den Pilzen, die sich bevorzugt vermehrten, gehörten Candida-Arten. In einer zweiten Gruppe von 27 Patienten ging die Vermehrung von Candida im Darm mit einem Anstieg von Antikörpern gegen Candida im Blut einher. Dies zeigt laut Schnabl eine vermehrte Auseinandersetzung des Immunsystems mit den Pilzarten an. Der Antikörper-Titer korrelierte sogar mit dem Sterberisiko der Patienten: Von den Patienten mit der höchsten Pilzbelastung starben 64 Prozent innerhalb von fünf Jahren gegenüber nur 23 Prozent der Patienten mit einer niedrigeren Pilzbelastung. 

Ob eine Behandlung mit Amphotericin B auch beim Menschen das Fortschreiten der Lebererkrankung verlangsamen könnte, ist bisher nicht untersucht worden. Da Amphotericin B normalerweise vom Darm nicht resorbiert wird, sollte die Therapie sicher sein. Vorhersagen lässt sich dies jedoch nicht, da neben der Überwucherung von Hefepilzen auch die Barrierestörung der Darmschleimhaut an der Pathogenese beteiligt ist.

Sie ist Folge des chronischen Alkoholkonsums und bleibt deshalb vermutlich auch unter der Behandlung mit Amphotericin B bestehen. Schnabl hofft deshalb auf die baldige Durchführung von klinischen Studien, die den Stellenwert einer antimyko­tischen Darmsanierung bei der alkoholischen Lebererkrankung klären könnte.

rme

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