HIV, Malaria und Tuberkulose: Wie fehlende Hilfsgelder die deutsche Wirtschaft beeinflussen

Berlin – 20 Prozent der deutschen Investitionen in den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria zwischen 2010 und 2024 sind der deutschen Wirtschaft zugutegekommen. Das erklärt die Entwicklungsorganisation One in einem heute erschienenen Bericht und appelliert an die Bundesregierung die Hilfsgelder aufzustocken.
Zwischen 2010 und 2024 seien rund 940 Millionen Euro aus dem Fonds an deutsche Hersteller gegangen, heißt es in dem Bericht. In anderen Worten: „Mehr als jeder fünfte Euro deutscher Beiträge floss zurück in die heimische Wirtschaft“, sagte Lisa Ditlmann, Deutschland-Direktorin von One.
Größter Profiteur ist demnach BASF. Das Chemieunternehmen stellt unter anderem Moskitonetze her. „Wir haben über 100 Millionen der sogenannten ‚intelligenten‘ Moskitonetze von BASF beschafft, die mit zwei Insektiziden behandelt sind und eine höhere Wirksamkeit aufweisen", so Dianne Stewart vom Globalen Fonds. Diese würden nun bei Malaria-Kampagnen verteilt.
Andere deutsche Profiteure des Globalen Fonds seien Abbot, Bayer, Carl Zeiss, Mainpol, Roche und Siemens, erklärte One. Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sammelt finanzielle Mittel zur Eindämmung dieser Krankheiten von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und aus dem privaten Sektor und verteilt diese an betroffene Länder.
In diesem Jahr läuft die achte Finanzierungsrunde des Fonds, die die Arbeit für drei Jahre sichern soll. Einige Staaten, darunter auch Deutschland, haben jedoch angekündigt, die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zu kürzen.
Für die aktuelle Finanzierungsrunde plant die Bundesregierung einen Beitrag von 850 Millionen Euro in den Fonds einzuzahlen und damit etwa 35 Prozent weniger als noch 2022 bei der letzten Finanzierungsrunde. Damals lag der zugesagte Betrag bei 1,3 Milliarden Euro.
„Bisher haben wir 1,875 Milliarden US-Dollar aufgebracht, doch es besteht weiterhin eine erhebliche Finanzierungslücke", sagte Stewart. Insgesamt strebt der Globale Fonds einen Betrag von 18 Milliarden Dollar an. Stewart gibt sich allerdings hoffnungsvoll: „Wir rechnen mit weiteren Beiträgen in Milliardenhöhe – entscheidend ist, diese Dynamik aufrechtzuerhalten."
Langfristig sollen die Mittel allerdings dafür sorgen, dass die Gesundheitssysteme der Länder unabhängig arbeiten könnten, erklärte Stewart: „Sämtliche Mittel fließen direkt an die Partnerländer, damit sie in nationale Prioritäten investieren und nachhaltige Gesundheitssysteme aufbauen können." Doch nachhaltige Fortschritte bräuchten Zeit. Stewart sprach sich für ein verlässliches und langfristiges Engagement aus. „Wir können uns nicht einfach über Nacht zurückziehen.“
Offener Brief gegen Kürzungen
In einem heute veröffentlichten Brief fordern acht Personen aus dem öffentlichen Leben die Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan auf, die geplanten Kürzungen zu verhindern. Zu den Unterzeichnern gehört auch der Senior-Vizepräsident von BASF, Marko Grozdanovic. In dem Schreiben heißt es: „Seit seinem Bestehen hat der Globale Fonds rund 70 Millionen Menschenleben gerettet, 5,6 Millionen allein durch Deutschlands Beitrag.“
One geht davon aus, dass die Verminderung des deutschen Beitrags dafür sorgen könnte, dass 650.000 Menschen an den Folgen von HIV, Malaria und Tuberkulose bis 2029 sterben. Die Zahlen beruhen auf eigenen Berechnungen von One, die sie anhand von Haushaltszahlen der Bundesregierung angestellt hat. Neben dem Globalen Fonds sind drei weitere Programme in die Erhebung eingeflossen.
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