HIV: Rauchen raubt mehr Jahre als das Virus

Kopenhagen – HIV-Infizierte haben dank der antiretroviralen Therapie heute eine annähernd normale Lebenserwartung – solange sie nicht rauchen. Die negativen Auswirkungen des Tabakkonsums sind Berechnungen in Clinical Infectious Diseases (2012; doi: 10.1093/cid/cis933) zufolge größer als bei nicht mit HIV Infizierten.
Marie Helleberg von der Universität Kopenhagen hat die Daten von 2.921 dänischen HIV-Infizierten mit einer Kontrollgruppe Nichtinfizierter verglichen. In beiden Gruppen verkürzte Rauchen erwartungsgemäß die Lebenserwartung. Die Auswirkungen der Noxe, die Krebs, Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt, waren jedoch sehr unterschiedlich.
Laut Helleberg kommt es bei HIV-Infizierten durch das Rauchen auf 1.000 Personenjahre zu 17,6 zusätzlichen Todesfällen. Bei den Nicht-HIV-Infizierten sind es nur zusätzliche 4,8 Todesfälle. Unter den HIV-Infizierten ist Rauchen für 61,5 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Bei den nicht mit HIV Infizierten beträgt dieses attributable Risiko nur 34,2 Prozent.
Konkret bedeutet dies, dass ein 35-jähriger HIV-Infizierter als Nichtraucher eine Lebenserwartung von 78,4 Jahren hat. Bei HIV-infizierten Rauchern sind es dagegn nur 62,6 Jahre. Die Differenz sollte für alle HIV-Infizierten ein Anreiz sein, das Rauchen aufzugeben, findet Helleberg. Der Abstinenz sollte bei der medizinischen Betreuung der Patienten oberste Priorität haben.
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