Impfstoff gegen Leishmaniose erfolgreich
Berlin – Ein Impfstoff gegen die Leishmaniose, eine in den Tropen und Subtropen einschließlich des Mittelmeerraums sowie weiten Teilen Asiens verbreitete Parasiteninfektion könnte jedes Jahr zehntausende von Menschenleben retten. Ein internationales Forscherteam stellt jetzt in Science Translational Medicine (2014; 6: 234ra56) einen neuen vielversprechenden Impfstoff vor.
Die Leishmaniose tritt überall auf, wo Sandmücken verbreitet sind. Mit dem Stich der kleinen blutsaugenden Insekten gelangen die einzelligen Parasiten in Haut- oder Schleimhaut. Hier kommt es nach einiger Zeit zu einem nicht schmerzhaften Geschwür, das auch als Bagdad-, Orient- oder Aleppobeule bezeichnet wird und nach einiger Zeit narbig verheilt. Einige der etwa 20 Parasiten können jedoch auch innere Organe befallen. Diese viszerale Leishmaniose (auch bekannt als Kala-Azar) ist schwierig zu behandeln und endet häufig tödlich.
Bisherige Versuche, einen Impfstoff zu entwickeln, scheiterten daran, dass die Parasiten intrazellulär leben und deshalb für die Antikörper nicht erreichbar sind. T-Zellen können die infizierten Zellen jedoch beseitigen. Die Abwehrzellen reagieren dabei auf Bruchstücke einzelner Proteine des Erregers, die nach der Infektion der Zellen auf deren Oberfläche auftauchen. Wenn T-Zellen diese Antigene erkennen, vernichten sie die körpereigene Zelle zusammen mit dem Eindringling.
Auf der Suche nach geeigneten Bestandteilen für einen Impfstoff hat ein internationales Forscherteam um Peter Walden von der Berliner Charité zunächst das Erbmaterial verschiedener Leishmanien untersucht. Sie entschieden sich für fünf Proteinabschnitte, die in den verschiedenen Arten der Parasiten gleich sind, was eine breite Wirkung erwarten lässt. Anschließend untersuchten sie die Reaktionen von T-Zellen aus dem Blut von Patienten, die die Infektion überwunden haben. Aus den Daten beider Analysen wählten die Forscher die entsprechenden Antigene für den Impfstoff aus.
Sie entschieden sich für eine sogenannte DNA-Vakzine. Bei diesem Impfstoff werden, vergleichbar mit einer Gentherapie, fremde Gene in den Körper eingebracht. Die Genen werden von Körperzellen aufgenommen. Diese produzieren dann die Proteine, die die Aufmerksamkeit der T-Zellen erregen und diese auf das mögliche Auftreten des echten Erregers vorbereiten.
Die Verträglichkeit und Wirksamkeit des Impfstoffs wurde zunächst in Mäusen untersucht. Der Impfstoff führte bei den Mäusen zur Bildung von T-Zellen, die in Labortests stark auf die Antigene der Leishmanien reagierten. Danach wurden einzelne Tiere mit einer Leishmania-Spezies infiziert und geimpft.
Drei Wochen später hatten die geimpften Tiere zu 94 Prozent weniger Parasiten in der Leber als in einer Kontrollgruppe nicht geimpfter Tiere. Obwohl die Impfstoffe die Parasiten nicht vollständig beseitigten, wurde ihre Konzentration unter der höchsten Impfstoffdosis soweit gesenkt, dass die Tiere nicht erkrankten. Im nächsten Schritt sind klinische Studien vorgesehen.
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