Indikation Prostatakarzinom: Rückkehr der Radiumtherapie
Rockville – In den USA und demnächst vielleicht auch in Europa kehrt die Radiumtherapie zurück, allerdings nicht als Universalheilmittel zur Förderung der Gesundheit wie vor einem Jahrhundert, sondern zur gezielten Behandlung des metastasierten hormon-refraktären Prostatakarzinoms.
Nach der Entdeckung des radioaktiven Elements durch Marie Curie 1898 hatte die Radiumtherapie eine zweifelhafte Blüte erlebt. Das Metall, das im Dunkeln leuchtete, faszinierte die Menschen, und schon bald wurden ihm alle möglichen und unmöglichen Heilwirkungen zugesprochen. In Sankt Joachimsthal in Böhmen, wo Curie das Metal in dem Mineral Pechblende entdeckt hatte, eröffnete 1906 das erste Radiumsol-Heilbad der Welt.
In den USA, aber auch in Europa wurde Radium als Heilmittel, auch gegen Krebsleiden propagiert. Der US-Stahlmagnat Eben McBurney Byers rühmte sich jahrelang, seine Gesundheit mit täglich zwei Flaschen „Radithor“ zu stärken – bis er im Alter von 52 Jahren an Krebs starb. Allmählich leuchtete ein, dass von der radioaktiven Strahlung gesundheitliche Risiken ausgehen könnten und das Metall verschwand aus Kosmetika und aus der Apotheke.
Dorthin wird es schon bald zurückkehren, allerdings nicht im freien Verkauf und zur oralen Einnahme, sondern streng reglementiert für die intravenöse Anwendung in einer eng umschriebenen medizinischen Indikation. Die US-Arzneibehörde FDA hat jetzt das Präparat Xofigo des norwegischen Herstellers Algeta aus Oslo zugelassen.
Xofigo enthält an Chlor gebunden das Isotop Radium 223, ein Alphastrahler, der unter der Freisetzung eines Helium-4-Atomkerns zerfällt. Die Strahlung zerstört in seiner Umgebung alles Leben, doch die Reichweite ist auf wenige Millimeter beschränkt. Da Radium im Körper wie Kalzium behandelt wird, gelangt das Metall nach einer intravenösen Gabe in den Knochen, wo es sich bevorzugt in den osteoplastischen Knochenmetastasen anreichert.
Der Hersteller konnte in der Phase-III-Studie ALSYMPCA (ALpharadin in SYMptomatic Prostate CAncer) an 809 Patienten mit symptomatischem hormon-refraktärem Prostatakarzinom und Knochenmetastasen zeigen, dass Xofigo nicht nur die Beschwerden durch die Metastasen lindert, sondern auch die mittlere Überlebenszeit von 11, 2 auf 14,0 Monate verlängert. Dies führte dazu, dass die FDA Xofigo zuließ.
Die Genehmigung erfolgte drei Monate früher als erwartet, da es in dieser Indikation kaum noch andere therapeutische Alternativen gibt (eine ist der Androgen-Antagonist Enzalutamid, den die FDA im August 2012 zuließ und der demnächst auch in Europa als Xtandi auf den Markt kommt). Algeta hat im Dezember 2012 auch bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA die Zulassung von Xofigo beantragt. Eine Entscheidung steht aber noch aus.
Die Wirkung von Xofigo zielt zwar auf die Knochenmetastasen, ganz ohne Nebenwirkungen ist die Therapie allerdings nicht. Die FDA nennt Nausea, Diarrhö, Übelkeit sowie Ödeme in den unteren Extremitäten. Auch das Knochenmark wird in Mitleidenschaft gezogen. Es kommt zu Anämie sowie Lympho-, Leuko- und Thrombozytopenie. Zu den Folgen der Neutropenie gehört eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen. Es gibt also gute Gründe die Radiumtherapie auf eine eng umschriebene Personengruppe zu beschränken.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: