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Individuell steuerbares Glaukom-Implantat soll Risiko von Vernarbung und Erblindung senken

  • Dienstag, 19. Mai 2026
/Clement C, peopleimages.com, stock.adobe.com
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Hannover – Ein Forschungsverbund unter der Leitung der Klinik für Augenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelt ein neuartiges Glaukom-Implantat, das den Augeninnendruck individuell steuern und gleichzeitig die Fibroseentwicklung verhindern soll.

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) fördert das Projekt „Antifibrotisches Glaukom-Implantat (Glaukom AF)“ über drei Jahre mit insgesamt rund 1,8 Millionen Euro.

Das Glaukom – umgangssprachlich auch Grüner Star genannt – ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Erblindung. Schätzungen zufolge sind rund 76 Millionen Menschen betroffen. Damit der Sehnerv nicht weiter geschädigt wird, zielt die Therapie darauf ab, den Augeninnendruck zu senken. Das geschieht mithilfe spezieller Augentropfen, durch Laserbehandlungen oder operative Eingriffe, die eine Verbindung zwischen dem Raum unter der Bindehaut und dem Inneren des Auges herstellen.

Allerdings haben diese Operationen oft Nebenwirkungen und erfordern Folgeoperationen. Zu den häufigen Komplikationen zählen Vernarbungsprozesse. Diese können dazu führen, dass die künstliche Verbindung wieder verschlossen wird. Um die Fibrosebildung zu hemmen, erhalten die meisten Patienten Mitomycin C.

Das aus der Krebsmedizin bekannte Tumorantibiotikum soll verhindern, dass sich der operativ geschaffene Abflussweg wieder verschließt. „Der Nachteil dieses chemotherapeutischen Zellgiftes ist, dass es nicht nur die Tenon-Fibroblasten, sondern auch die Bindehaut sowie die schützende Lederhaut des Auges angreift“, erläuterte Maximilian Binter aus der Arbeitsgruppe. 

Grundlage des Projekts ist ein bereits entwickeltes Basisimplantat mit einer Klappe, die sich nach der Operation öffnen lässt. Damit soll vor allem verhindert werden, dass der Augeninnendruck nach dem Eingriff zu stark absinkt.

Die Forschenden entwickeln diesen Steuermechanismus weiter, damit der Augeninnendruck künftig schrittweise und individuell an die Bedürfnisse der Betroffenen angepasst werden kann. So soll die Druckeinstellung personalisiert und langfristig besser kontrollierbar werden. Zudem ist eine Beschichtung mit fibrosehemmenden Wirkstoffen vorgesehen.

Dafür suchen die Forschenden nach einer Alternative zu Mitomycin C, um die Fibroseentwicklung und die dadurch nachlassende Wirkung oder sogar den Ausfall des Implantats zu verhindern, ohne dass andere Bestandteile des Auges geschädigt werden.

An dem Projekt beteiligen sich auch die Hochschule Hannover, das Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen sowie das Institut für Quantenoptik der Leibniz Universität Hannover.  

hil

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