Internisten fordern „Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie“

Wiesbaden/Berlin – Die Einführung eines neuen „Facharztes für Innere Medizin und Infektiologie“ fordert die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Der Grund: Spezialisten für Infektionskrankheiten sind laut DGI im deutschen Gesundheitssystem noch immer rar.
„In den meisten Kliniken hierzulande sind keine Stellen für Infektiologen eingeplant, und gerade an kleinen Krankenhäusern stehen oft nicht einmal infektiologische Konsiliardienste zur Verfügung“, kritisiert die Fachgesellschaft. Während in Ländern wie Schweden oder den USA auf eine Millionen Einwohner mehr als 20 auf Infektiologie spezialisierte Fachärzte kämen, seien es in Deutschland nur rund sieben. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch multiresistente Keime und der zunehmenden Zahl von besonders gefährdeten älteren und immunsupprimierten Patienten sei dieser Zustand nicht länger hinnehmbar, hieß es aus der Fachgesellschaft.
Weiterbildung gefördert
Das Bundesgesundheitsministerium fördert Weiterbildungen, mit denen Ärzte die Zusatzbezeichnung „Infektiologe“ erwerben können. „Das ist ein wichtiger Zwischenschritt, der jedoch nicht ausreichen wird, um die Versorgungssituation in der Infektionsmedizin langfristig zu sichern und die großen Herausforderungen, die sich uns stellen – gerade auch hinsichtlich der Reduktion von Krankenhausinfektionen und der Eindämmung von Infektionen mit multiresistente Erregern – zu bewältigen“, sagte der DGI-Präsident Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Köln. Nötig sei, die Infektiologie auf allen Ebenen deutlich zu stärken. Im Studium, in der ärztlichen Fort- und Weiterbildung und durch die Etablierung eines eigenen Facharztes.
Der DGI-Präsident wies auf eine Studie im Fachblatt Clinical Infectious Diseases hin, die erneut zeige, dass Patienten mit schweren Infektionen davon profitieren, wenn sie bereits früh von spezialisierten Fachärzten mitbehandelt werden (2017; doi: 10.1093/cid/cix548). Die Arbeit basiert auf den Daten von 382 Patienten, die mit schwerer Sepsis oder septischem Schock auf die Intensivstation kamen. Rund die Hälfte der Patienten wurde eingeliefert, bevor ein infektiologisch spezialisiertes Team auf der Station tätig war. Die andere Hälfte der Patienten wurde zu einem späteren Zeitpunkt und dann mit Unterstützung eines „Sepsis-Teams“ behandelt.
Durch das rasche Hinzuziehen der Spezialisten – sie waren bereits binnen einer Stunde nach Einlieferung am Krankenbett – reduzierte sich der Anteil der Patienten, die innerhalb der ersten 14 Tage verstarben, von 39 auf 29 Prozent. Infektiologische Standards wie das Anlegen einer Blutkultur, um geeignete Antibiotika zu identifizieren, die Messung der Laktatwerte im Blut und eine rasche Flüssigkeitstherapie waren unter Aufsicht der Infektiologen deutlich häufiger eingehalten worden, geht aus der Studie hervor.
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