Internisten: Für Promotion, gegen Entakademisierung des Arztberufs

Wiesbaden – Medizinische Promotionen sind aufwendiger als gemeinhin angenommen. Doktoranden benötigen dafür durchschnittlich 47 Wochen reine Arbeitszeit. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).
Während in der Vergangenheit fast alle Ärzte einen „Dr. med“-Titel erwarben, promovierten in den letzten Jahren weniger als zwei Drittel der Nachwuchsmediziner. Laut Reinhard Pabst von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist ein Grund dafür der Ärztemangel. Angehende Mediziner fänden heute auch ohne Promotion eine interessante Weiterbildungsstelle. Aber auch die öffentliche Meinung habe dem Ruf der medizinischen Promotion geschadet – die Arbeiten gälten vielfach als zu einfach.
Das korrigieren jetzt die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter Doktoranden der MHH. Danach erfordert die medizinische Promotion im Mittel 1.798 Stunden, was 47 Wochen Arbeitszeit entspricht – ohne Feiertage und ohne Urlaub. „Während in vielen nichtmedizinischen Fächern Doktoranden bereits eine feste Anstellung haben und ihnen ein Zeitkonto für Forschung zur Verfügung steht, müssen Ärzte die Dissertation neben ihrem Studium bewältigen“, so Papst. In der Umfrage gaben 34 Prozent an, dass die Prüfungsvorbereitung unter der Doktorarbeit gelitten habe. Zudem konnten 35 Prozent Vorlesungen nicht besuchen.
Trotzdem betrachteten die meisten die Dissertation als Gewinn: 70 Prozent sahen sich anschließend befähigt, wissenschaftliche Daten zu beurteilen, 81 Prozent meinten, Originalpublikationen besser beurteilen zu können. 98 Prozent der Befragten würden jungen Studierenden zur Promotion raten. „Die Studie aus Hannover belegt, dass sich auch heute eine Dissertation positiv in das Studium integrieren lässt“, sagte DGIM-Generalsekretär Ulrich Fölsch aus Kiel.
Auch die Qualität der Doktorarbeiten kann sich laut der Umfrage sehen lassen: Viele Ergebnisse würden in internationalen Zeitschriften publiziert und als Vortrag oder Poster auf Kongressen vorgetragen.
Die DGIM warnt, das nachlassende Interesse der Mediziner an einer Promotion untergrabe die wissenschaftliche Basis des Arztberufs. „Dies ist nicht zuletzt deswegen problematisch, da der wissenschaftliche Fortschritt etwa in Molekularbiologie, Genetik oder Systembiologie immer höhere Anforderungen an die qualifizierte Ausbildung zukünftiger Internisten stellt“, warnte Frank Lammert, Homburg, der die DGIM-Kommission „Wissenschaft – Nachwuchsförderung“ leitet.
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