Jugendschutz bei Nikotinbeuteln und E-Zigaretten offenbar häufig unwirksam

Berlin – Immer mehr Kinder und Jugendliche greifen zu Nikotinprodukten wie E-Zigaretten oder Nikotinbeuteln. Ein Recherche- und Forschungsteam der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat jetzt gezeigt: Beim Verkauf dieser Produkte umgehen Händler gesetzliche Bestimmungen und den Jugendschutz. Die Arbeitsgruppe berichtet im Fachmagazin Pneumologie (2025, DOI: 10.1055/a-2687-0942).
Sieben Forscher haben dazu auf deutschsprachigen Websites stichprobenartig Nikotinbeutel bestellt, die eigentlich in Deutschland nicht verkauft werden dürften. Jeder Bestellvorgang war erfolgreich, in keinem Fall der 16 unterschiedlichen Bestellungen gab es eine Alterskontrolle – weder bei der Onlinebestellung, noch bei der Auslieferung.
„Hier zeigt sich, wie leicht Kinder und Jugendliche durch einen unkontrollierten Internethandel an die verbotenen und gesundheitsschädlichen Produkte gelangen“, sagte Studienleiter Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord).
Die kleinen Nikotinbeutel erscheinen auf den ersten Blick harmlos: Sie werden zwischen Lippe und Zahnfleisch eingeklemmt und geben ihren Wirkstoff ab. Doch die Forschergruppe warnt: „Es besteht gerade bei Jugendlichen eine starke Suchtgefahr. Nikotin erhöht Puls, Blutdruck und belastet Herz sowie Gefäße – es kann auch zu Mundtrockenheit, Reizungen, Entzündungen und Zahnproblemen kommen“, so Hanewinkel.
Jüngste Zahlen zeigen dem Rechercheteam zufolge, dass jeder siebte Schüler und jede zehnte Schülerin im Alter von 16 und 17 Jahren schon einmal Nikotinbeutel konsumiert hat.
Zudem scheinen sich die Beutel zu verbreiten: Im Rahmen der Untersuchungen hat eine Forscherin durch Zufall einen Verkaufsautomaten unweit einer Schule in Heidelberg entdeckt. Dieser hat neben Süßigkeiten, Softdrinks und E-Zigaretten illegal auch Nikotinbeutel enthalten.
Die zur Probe gezogenen Nikotinbeutel wiesen einen extrem hohen Nikotingehalt von 50 Milligramm auf – dies übertrifft den Nikotingehalt vieler anderer Nikotinprodukte deutlich. Zum Vergleich: Gewöhnliche Tabakzigaretten enthalten pro Stück acht bis 20 Milligramm Nikotin.
„Es wird systematisch eine neue Generation von Abhängigen herangezogen und die Behörden scheinen an dieser Stelle keine Kontrolle mehr über den Jugendschutz zu haben“, warnt DGP-Präsident Christian Taube.
Neben den Nikotinbeuteln haben die Forschenden auch den Bezug von E-Zigaretten untersucht. Bei den Stichproben wurde die Alterskontrolle in fast allen Fällen eingehalten.
Die Forscher sind dennoch alarmiert: Mittlerweile sind E-Zigaretten laut der DGP noch vor der Tabakzigarette das beliebteste nikotinhaltige Produkt unter Heranwachsenden. Im Jahr 2024 konsumierte laut einer Studie des IFT-Nord jeder siebte Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren E-Zigaretten.
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