Junge Griechen leiden häufiger unter psychischen Gesundheitsproblemen

Linköping – Griechische Studenten haben häufiger Gesundheitsprobleme als schwedische Studenten, insbesondere leiden sie unter einer schlechteren psychischen Gesundheit. Das berichtet eine Forschergruppe um Tomas Faresjö von der Linköping Universität Schweden in Plos One. Die Wissenschaftler meinen, dass ihre Studie Hinweise auf die möglichen medizinischen Folgen der Finanzkrise in Griechenland gibt (http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0073828).
Bereits im März 2013 berichteten Forscher in einer Sonderausgabe von The Lancet über die gesundheitlichen Folgen der Finanzkrise und den Anstieg der Infektions-, Suizid- und Depressionsraten in Europa. Besonders betroffen waren Länder mit strikten Sparprogrammen wie Griechenland.
Studenten der Universität Athen und Studenten der Linköping Universität wurden von den Wissenschaftlern mit Hilfe eines Fragebogens zu ihrem Gesundheitsstatus befragt . Sie erhielten zusätzlich eine Bestimmung ihres Langzeitcortisolspiegels durch eine Haarwurzelanalyse.
42 Prozent der Athener Studenten berichteten über schwere Lebensereignisse gegenüber 24 Prozent bei den schwedischen Studenten. Mit 47 Prozent waren die griechischen Studenten auch doppelt so häufig von Stress betroffen wie die Schweden (21 Prozent). Besonders auffällig war laut den Forschern, dass etwa ein Viertel der Griechen keine Hoffnung für die Zukunft hatte, während dies nur bei jedem zwanzigsten schwedischen Studenten der Fall war.
Die Ergebnisse der Cortisolbestimmung zeigten zunächst ein widersprüchliches Ergebnis. Die griechischen Studenten hatten einen signifikant niedrigeren Cortisolspiegel (p<0.0001). Die Wissenschaftler vermuten, dass die niedrigen Corstisolspiegel für eine langfristige Stressexposition sprechen könnten.
Kurzfristige Stressexpositonen gehen mit einem erhöhten Cortisolspiegel einher, während möglicherweise bei dauerhaftem Stress die Anpassungsreaktion zum Erliegen komme und die Spiegel abfallen. Dies ist allerdings bisher nur eine fragliche Erklärungshypothese der schwedischen Wissenschaftler.
Die Forscher betrachten die Ergebnisse als ein Warnsignal für die langfristige Gesundheit der Griechen. Die biologischen Anpassungsreaktionen und gesundheitlichen Folgen der Griechenlandkrise möchten die Wissenschaftler in weiteren Studien untersuchen.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: