Kardiologen setzen auf neue blutverdünnende Medikamenten
Düsseldorf – In der Diskussion um die neuen oralen Antikoagulantien (NOAKs) hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Stellung genommen. „Immer mehr Patienten mit Vorhofflimmern oder einem erhöhten Thrombose- und Embolie-Risiko profitieren von den NOAKs, die diese Therapie in den vergangenen Jahren anwenderfreundlicher und sicherer gemacht haben“, sagte der DGK-Präsident Christian Hamm. Allerdings habe eine oft einseitige Darstellung der möglichen Risiken Patienten und Ärzte verunsichert.
Lange Zeit standen für die Langzeit-Antikoagulation nur Vitamin K-Antagonisten (VKA) wie Marcumar zur Verfügung, die laut der DGK mit anderen Medikamenten und auch Nahrungsmitteln zum Teil Wechselwirkungen eingehen konnten, und eine Behandlung oft kompliziert gestalteten. NOAKs ermöglichten jetzt eine Gerinnungshemmung mit individuell konstanter Dosierung und ohne relevante Nahrungs- oder Arzneimittelinteraktionen.
„Es ist wissenschaftlich belegt, dass bei vielen Patientengruppen NOAKs im Vergleich zur bisherigen Therapie mit VKA erheblich weniger Blutungen verursachen. Insbesondere die oftmals tödlichen Blutungen ins Gehirn wurden im Vergleich unter NOAKs deutlich seltener beobachtet“, sagte Harald Darius von der Fachgesellschaft.
Er betonte, es lägen für alle relevanten Indikationen groß angelegte, randomisierte Studien mit mehr als 70.000 Patienten in exzellenter Qualität vor, wie sie bisher noch niemals für Antithrombotika durchgeführt worden seien. „Die Forderungen nach einer Evidenz-basierten Medizin sind daher durch die Vertreter dieser Substanzklasse beispielhaft erfüllt worden“, so Darius.
Die Ergebnisse zu den NOAKs seien die Grundlage der aktuellen Empfehlungen und Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften, denen zufolge in vielen Situationen NOAKs die bevorzugte Therapieform gegenüber VKA darstellten.
Allerdings könnten auch die NOAKs eine Blutungsneigung begünstigen. „Aus medizinischer Sicht ist das Verhältnis des zu erwartenden Nutzens und der zu erwartenden Risiken abzuwägen. Wenn also die Risiken von NOAKs dargestellt werden, muss ihr relativer Nutzen ebenso berücksichtigt werden wie das Risiko-Nutzen-Verhältnis der therapeutischen Alternativen“, sagte Georg Ertl aus der DGK.
Die DGK empfiehlt Ärzte, die in den Leitlinien empfohlenen Instrumente der Risikoabschätzung konsequent anzuwenden. Das gelte für die Abschätzung des Schlaganfallrisikos anhand des CHA2DS2-VASc-Scores und für das Blutungsrisiko anhand des HAS-BLED-Scores. „Damit kann der Indikationsstellung für eine Antikoagulationstherapie, aber auch der Nicht-Verschreibung eines Blutverdünners, eine rationale Basis gegeben werden“, so DGK. Aus juristischen Gründen empfiehlt die Fachgesellschaft, die Beweggründe für die Therapie beziehungsweise für die Nicht-Verschreibung genau zu dokumentieren.
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