Medizin

Kardiovaskuläre Sekundärprävention: Diät übertrifft Medikament

  • Dienstag, 4. Dezember 2012
Uploaded: 04.12.2012 16:47:29 by mis
dapd

Toronto – Eine gesunde Ernährung kann die Wirkung von Medikamenten zur Sekundärprävention von Herzinfarkt und Schlaganfall unterstützen. Dies belegen begleitende Untersuchungen zu zwei randomisierten klinischen Studien in Circulation (2012; 126: 2705-2712). Im direkten Vergleich erzielte eine gesunde Kost sogar eine größere Wirkung als der in den Studien evaluierte Angiotensin-Antagonist.

In der ONTARGET- und in der TRANSCEND-Studie hatte der Hersteller Boehringer Ingelheim seinerzeit den Stellenwert von Telmisartan in der Sekundärprophylaxe bei manifester kardiovaskulärer Erkrankung untersuchen lassen. Da nur eine geringe Auswirkung zu erwarten war, nahmen 31.546 Erwachsene aus 40 Ländern an den beiden Studien teil. Diese Anzahl verhieß auch bei einer geringen Effektstärke ein signifikantes Ergebnis. Telmisartan erwies sich in der ONTARGET-Studie als gleichwertig zu einem ACE-Hemmer. In der TRANSCEND-Studie wurde, wenn auch nur in einem sekundären Endpunkt, ein leichter Vorteil gegenüber Placebo erzielt: Der Composite aus Herz-Kreislauf-Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall wurde um 13 Prozent gesenkt.

Wesentlich erfolgreicher als das Medikament war, wenn man so will, die gesunde Ernährung der Teilnehmer. Diese wurde zwar nicht wie die Medikamente einer randomisierten Prüfung unterzogen. Dies ist bei einer Ernährung auch schwerlich möglich: Niemand lässt sich gerne vorschreiben, was er essen soll, und ein doppelblindes Design ist kaum vorstellbar.

Doch die Ernährungsforscherin Mahshid Dehghan vom Population Health Research Institute an der McMaster Universität hat zu Beginn der Studie Fragebögen von den Teilnehmern ausfüllen lassen. Sie konnte dabei auf die Erfahrungen der INTERHEART-Studie zurückgreifen, die seinerzeit zu dem Ergebnis gekommen war, dass 90 Prozent aller Herzinfarkte auf modifizierbare Risikofaktoren zurückzuführen sind, unter anderem auch auf eine ungesunde Ernährung.

Dies ließ hoffen, dass sich während der Nachbeobachtungszeit von 56 Monaten in der ONTARGET- und in der TRANSCEND-Studie ein Einfluss der Ernährung nachweisen lässt. Um diesen nachzuweisen, teilte Dehghan die Studienteilnehmer nach der Qualität der Ernährung in fünf Gruppen (Quintile) ein. In der Bewertung orientierte sie sich an den Alternative Healthy Eating Index, den Forscher der Harvard Universität in Boston entwickelt haben. Er fordert eine hohe Zufuhr von Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und Proteinen aus Fisch, Geflügel, Bohnen und Nüssen und die Meidung von „rotem“ Fleisch.

Dehghan kann tatsächlich eine Auswirkung der Kost dokumentieren: Im Quintil mit der gesündesten Ernährung kam es signifikant seltener zu weiteren kardiovaskulären Ereignissen als im Quintil mit der ungesündesten Ernährung: Die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle wurde um 35 Prozent, die der neuen Herzinfarkte um 14 Prozent gesenkt. Es kam zu 28 Prozent weniger Herzinsuffizienzen und zu 19 Prozent weniger Schlaganfällen. Im direkten Vergleich waren die Auswirkungen der Diät damit deutlich größer als die Einnahme von Telmisartan.

Für Dehghan gibt es allerdings keinen Grund hier eine Konkurrenz zu sehen. Die gesunde Ernährung ist für sie eine sinnvolle und äußerst wirkungsvolle Ergänzung zur medikamentösen Therapie mit Aspirin, Angiotensin-Modulatoren (ACE-Hemmer oder Angiotensinblocker), Lipidsenkern und Betablockern, die in der Sekundärprävention bei Herzkreislauferkrankungen als evidenzbasiert angesehen werden.

rme

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