praxisnah

Katheter und Kegelbrüder

  • Freitag, 19. Juni 2009

Vor einem halben Jahr hatte ich einen Patienten mit Präinfarktsyndrom zum Herzkatheter umgehend in eine kardiologische Klinik eingewiesen. Ganz war er damit nicht einverstanden, aber in der Klinik wurde eine kritische LAD-Stenose dilatiert. Danach ließ sich der Betroffene nicht mehr bei mir blicken.

War meine Wortwahl zu grob, mein Drängen auf ein invasives Vorgehen zu kompromisslos? Nun sitzt er aber wieder vor mir. „Also, Herr Doktor, das war so, meine Kegelbrüder hatten mich gewarnt, in Deutschland würden zu viele Katheter gemacht werden, das sei alles ganz überflüssig.“

Glücklicherseits waren die Brüder nicht wirklich überzeugend, sonst hätte er einen Vorderwandinfarkt erlitten. „Die meinten, dass sich die Ärzte die Patienten gegenseitig zuschustern würden.“ In Anbetracht von Regelleistungsvolumina und Ärztemangel im Krankenhaus eine absurde Idee.

„Glücklicherweise habe ich doch auf Sie gehört. Sie sind ja der Fachmann. Man sollte irgendwelches Gerede nicht zu ernst nehmen.“ Das sehe ich auch so. Jeder trägt Verantwortung für eine Information, die er weiter gibt. Wenn er auf die Kegelbrüder gehört hätte, hätten diese auch die Verantwortung für eintretende Komplikationen übernehmen sollen. Ob das einen glücklichen Ausgang genommen hätte, ist zu bezweifeln.

„Sie haben Recht, und so habe ich das meinen Keglern auch schon weiter gegeben,“ Es ist schon schwierig genug, in Anbetracht von Budgets, Wartelisten und Ärztemangel das Beste für seine Patienten herauszuholen und sie vor Komplikationen zu schützen. Beispielsweise vor Kegelbrüdern.

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