Keine bessere kognitive Funktion durch Hormontherapie nach Menopause
Stanford – Frauen, die früh nach Beginn der Menopause mit einer Estradiol-Therapie beginnen, zeigen keine bessere kognitive Funktion als Frauen, die keine Hormone einnehmen. Dies fanden Forscher der Stanford University in einer kontrollierten randomisierten Studie heraus. Erstautor Victor Henderson und Kollegen berichten in Neurology (2016; doi: 10.1212/WNL.00000000000029809).
Hitzewallungen, Nachtschweiß und Osteoporose können unangenehme Folgeerscheinungen der Wechseljahre sein. Einige Frauen profitieren dann von Hormonersatztherapien mit Östrogenderivaten. Diese Ersatztherapie sollte jedoch so kurz wie möglich und nur bei starken Beschwerden zum Einsatz kommen.
Bestimmte Patientinnen haben über die typischen Beschwerden hinaus auch Probleme mit der Konzentration und dem Erinnerungsvermögen. Laut den Forschern geben einige Studien Hinweise darauf, dass eine Hormontherapie dies verhindern könnte. In diesem Zusammenhang sei eine „Timing-Hypothese“ aufgestellt worden, laut derer vor allem eine frühe Therapie einen Behandlungsvorteil für die Frauen bringe.
Die Forscher randomisierten 567 gesunde Frauen im Alter zwischen 41 und 84 Jahren in zwei Gruppen. In der einen Gruppe lag die Menopause weniger als sechs Jahre zurück, in der anderen mehr als zehn. Frauen beider Gruppen erhielten entweder Placebos oder Estradiol zur Behandlung ihrer klimakterischen Beschwerden. Die Behandlungsdauer betrug durchschnittlich vier bis fünf Jahre. Nach zweieinhalb und fünf Jahren mussten sich die Probandinnen kognitiven Tests unterziehen.
Die Forscher stellten fest, dass zwischen der frühen und späten Behandlungsgruppe keine wesentlichen Unterschiede feststellbar waren. Weder das Erinnerungsvermögen noch die exekutive Funktion oder die globalen kognitiven Fähigkeiten wurden durch die Therapie positiv beeinflusst. Die Wissenschaftler stellten auch keine negativen Effekte auf die geistige Leistungsfähigkeit fest.
Die Forscher schließen aus den Daten, dass eine Hormonersatztherapie unabhängig von ihrem Beginn keinen Vorteil für die kognitive Leistungsfähigkeit bringt. Dies gelte jedoch primär für gesunde Frauen. Ob möglicherweise Patientinnen mit leichten kognitiven Einschränkungen profitierten, bleibe offen.
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