Keine Lösung für Erhalt der Dietrich Bonhoeffer Klinik in Sicht

Hannover – Die Dietrich Bonhoeffer Klinik in Großenkneten muss zum 30. Juni ihren Betrieb einstellen. Damit entfällt ein großer Teil der in Deutschland vorhandenen Rehabilitationsplätze für suchterkrankte Kinder und Jugendliche. Eine Lösung scheint bisher nicht in Sicht, obwohl sich auch die Bundespolitik eingeschaltet hat.
„Wir haben bis Freitagabend versucht zu vermitteln zwischen den Kostenträgern und der Klinik“, sagte der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), heute morgen dem Deutschen Ärzteblatt in Hannover beim 130. Deutschen Ärztetag im Interview. Es sei „keine Einigung gefunden worden“.
„Für mich ist das ein vollkommenes Unverständnis, wie eine Klinik, die eine so wichtige Aufgabe hat in unserer Gesellschaft, einfach so schließen kann oder den Betrieb verändern muss“, betonte Streeck.
Ende März hatte der Klinikträger, die Leinerstift-Gruppe, das Aus der Rehaklinik angekündigt und die Folgen in Zahlen verdeutlicht. Demnach gab es Anfang 2025 bundesweit 85 Betten in Rehakliniken für suchterkrankte Kinder und Jugendliche für alle Abhängigkeitserkrankungen – bei etwa 200.000 betroffenen Jugendlichen. Ab Juli 2026 werden es voraussichtlich 25 Betten sein.
Hintergrund ist ein Streit um die Finanzierung der Klinik mit der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Die Rentenversicherung hatte die Probleme in Bezug auf die Finanzierung der Klinik bereits im März mit einem neuen Vergütungssystem für medizinische Rehabilitationseinrichtungen begründet.
Der Betreiber der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik habe zwar die Anerkennung als Spezialeinrichtung beantragt, damit sie nicht unter die neue Vergütungsregelung falle. Diese Anerkennung sei von den zuständigen Gremien der Rentenversicherung allerdings nicht erteilt worden, hieß es.
Streeck zeigte sich im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt irritiert. Er betonte, Fachleuten zufolge gebe es 85 Plätze dieser Art in Deutschland. Die Deutsche Rentenversicherung spreche hingegen von 450 Plätzen, die es gäbe. „Wir haben diese Zahl von 450 nicht bestätigt bekommen und auch die Rentenversicherung will uns nicht sagen, wo diese Plätze eigentlich sind“, erklärte der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung.
Für ihn beginne an dieser Stelle die eigentliche Arbeit. „Ich muss verstehen, was sind die Bedarfe in Deutschland und wo sind eigentlich die Angebote. Und da müssen wir in eine tiefere Analyse reingehen und auch ins Gespräch an einen runden Tisch mit allen Akteuren“, kündigte er an. Das passiere leider nicht so schnell. „Daher ist es wirklich schade um diese Klinik und in meinen Augen ein Skandal, dass wir hier keine Übergangslösung gefunden haben.“
Vor den Delegierten des Deutschen Ärztetags hatte Streeck im Anschluss erläutert, es gehe nicht um eine Summe, die das Gesundheitswesen überfordern würde. Aber an dieser Stelle fehlten 200 Euro pro Tag, um junge Menschen früh zu stabilisieren, ihnen Behandlung zu ermöglichen und sie wieder in Schule, Familie und Alltag zurückzuführen.
Die Schuldfrage will Streeck aber nicht beantworten. „Ich kann nicht sagen, wo die Schuld hier liegt“, betonte er im Nachgang zum Interview. Er bedauere, dass sich die Rentenversicherung nicht bewege – wenigstens für ein Jahr, damit die Politik gemeinsam mit allen Akteuren und den Kostenträgern eine Lösung finden könne, die dauerhaft trage.
Im Interview äußerte sich der Sucht- und Drogenbeauftragte auch zu möglichen Abgaben auf Tabak und Spirituosen sowie zu illegalen Drogen.
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