KHK: US-Leitlinie lehnt generelles EKG-Screening ab

Columbia – Das Elektrokardiogramm (EKG), früher das wichtigste und lange das einzige Instrument zur Früherkennung von Herzkrankheiten, sollte nach Ansicht der U.S. Preventive Services Task Force nicht mehr routinemäßig zum Screening eingesetzt werden, da die Risiken durch abzuklärende falsch-positive Ergebnisse größer sind als sein Nutzen. Die US-Experten raten in ihrer jüngsten Leitlinie in den Annals of Internal Medicine bei Patienten ohne erhöhten Framingham-Score auch vom Belastungs-EKG ab, dessen Nutzen ebenfalls nicht belegt sei.
Es steht außer Zweifel, dass das EKG auf Herzkrankheiten hinweisen kann. ST-Segment- oder T-Wellen-Veränderungen, linksventrikuläre Hypertrophie, Linksachsen-Abweichung oder Schenkelblock sind in prospektiven Kohortenstudien mit einem erhöhten Risiko auf koronare Ereignisse assoziiert.
Die Hazard Ratios (1,5 bis 1,9) sind jedoch gering und sie verbessern nach Einschätzung der US-Expertengruppe um Michael LeFevre von der Universität von Missouri in Columbia nicht die Vorhersage, die bereits durch den Framingham-Score möglich ist. Das gleiche gilt für das Belastungs-EKG, wo ST-Streckensenkungen, Ischämiezeichen bei submaximale Belastung oder eine gestörte Erholung der Herzfrequenz auf bevorstehende koronare Ereignisse hinweisen (Hazard Ratio 1,4 bis 2,1). Aber auch hier wird der prädiktive Wert des Framingham-Scores nicht verbessert.
Dem stehen Risiken gegenüber. Ein EKG selbst ist zwar für die Patienten völlig gefahrlos und auch die Komplikationsrate beim Belastungs-EKG ist minimal – die Kardiologen geben sie mit einer Hospitalisierung auf 10.000 Tests an. Falsch-positive Befunde in EKG und Belastungs-EKG können jedoch Folgeuntersuchungen nach sich ziehen, die den Patienten einem Risiko aussetzen.
Gemeint ist hier vor allem die Koronarangiografie, unter der es – wenn auch bei asymptomatischen Patienten äußerst selten – zu Arrhythmien, Herzinfarkten oder sogar zu einem plötzlichen Herztod kommen kann. Ein weiterer Nachteil ergibt sich aus der Angst, die ein positiver Test beim Patienten auslöst. Schließlich besteht die Gefahr, dass Patienten sich infolge eines positiven Tests körperlich schonen und auf präventive sportliche Aktivitäten verzichten.
Aus diesen Gründen rät die U.S. Preventive Services Task Force bei Menschen mit einem niedrigen koronaren Risiko (10-Jahresrisiko unter 10 Prozent im Framingham-Score) jetzt grundsätzlich von der Durchführung eines EKGs oder eines Belastungs-EKGs ab (sogenannte Grad-D-Empfehlung).
Bei Personen mit einem 10-Jahresrisiko im Framingham-Score von 10 bis 20 Prozent wird wegen insuffizienter Evidenz eines Nutzens keine Empfehlung gegeben (Grad I). Bei Patienten mit höherem kardialen Risiko im Framingham-Score bleiben EKG und Belastungs-EKG Teil der Risikoabschätzung. Auch der diagnostische Wert in der Diagnostik akuter Koronarsyndrome steht natürlich außer Zweifel.
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