Kinder- und Jugendärzte fordern Impfpriorisierung von Eltern
Berlin – Eine Priorisierung von Eltern in der Coronaimpfkampagne fordert der Präsident des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach. Zugleich spricht sich der BVKJ wegen Folgen der Coronapandemie für deutlich mehr Hilfen für junge Menschen aus.
„Es wäre sehr sinnvoll, Eltern vor kinderlosen Erwachsenen im selben Alter zu impfen“, sagte Fischbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Kinder unter 16 Lebensjahren könnten zwar im Moment noch nicht geimpft werden – aber auch sie müssten geschützt werden, damit sie wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Es gehe dabei nicht nur um Schule und Kita, sondern auch um alles andere, was zum Leben eines Kindes oder Jugendlichen dazu gehöre. „All das geht im Moment, in dem man die Eltern prioritär impft“, so Fischbach.
Er bezeichnete zudem die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung für ein „Aufholpaket“ für junge Menschen als nicht ausreichend. Der Rheinischen Post sagte er, die Bundesregierung drohe mit dem Aufholpaket die Chance zu verpassen, auch die psychische Entwicklung von Kindern außerhalb der Schulen zu fördern. Der Fokus liege zu stark auf der Bekämpfung von Leistungsdefiziten.
Er erklärte: „Wir Kinder- und Jugendärzte beobachten sehr häufig Entwicklungsstörungen und psychische sowie körperliche Erkrankungen, die direkt auf die Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen sind.“ Insbesondere Kinder aus Familien, in denen die Eltern zu wenig Abwechslung böten oder sich nicht ausreichend kümmern könnten, blieben auf der Strecke.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verteidigte hingegen die Pläne der Bundesregierung. „Wir achten darauf, gerade auch die Kinder, Jugendlichen und Familien zu erreichen und zu unterstützen, die es besonders schwer haben.“
Die Große Koalition verhandelt derzeit über ein Förderprogramm in Höhe von rund zwei Milliarden Euro für Kinder und Jugendliche. Ursprünglich war geplant, das Programm vorgestern im Kabinett auf den Weg zu bringen. Weil es noch Abstimmungsbedarf zwischen Union und SPD gibt, wurde der Beschluss auf voraussichtlich nächsten Mittwoch verschoben.
Mit dem Geld sollen zur Hälfte Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler in den Ländern unterstützt werden. Die zweite Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Geplant ist nach SPD-Angaben auch eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben.
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