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Kinderärzte warnen vor melatoninhaltigen Gummibärchen als Einschlafhilfe

  • Dienstag, 26. Mai 2026
/kittyfly, stock.adobe.com
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Berlin – Melatoninhaltige Gummibärchen und anderen süßwarenähnliche Produkten sind als Einschlafhilfen für Kinder problematischer, als das Marketing der Hersteller häufig darstellt. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hin.

Zusammen mit der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter (KASK) kritisiert die Fachgesellschaft die zunehmende Verbreitung solcher Produkte und warnt vor einer Bagatellisierung. Eine Stellungnahme dazu ist in der Monatsschrift Kinderheilkunde erschienen (2026, DOI: 10.1007/s00112-026-02409-8).

„Wenn ein hormonell wirksamer Stoff wie Melatonin in Gummibärchenform angeboten wird, entsteht schnell der Eindruck, es handle sich um eine harmlose Süßigkeit. Das bagatellisiert seine Wirkung erheblich“, sagte Thomas Lücke, Vorsitzender der DGKJ-Ernährungskommission.

Mögliche Nebenwirkungen bei Kindern seien unter anderem morgendliche Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gangunsicherheit und Albträume. Zudem fehlten belastbare Daten zur Langzeitsicherheit – insbesondere im Hinblick auf hormonelle Entwicklung, Pubertät und mögliche kardiovaskuläre Auswirkungen.

Gleichzeitig steige durch die attraktive Aufmachung das Risiko, dass Kinder unbeaufsichtigt mehrere Stücke einnähmen und es zu Überdosierungen kommen könne. Internationale Berichte zeigten eine Zunahme entsprechender melatoninassoziierter Notfälle. „Der Schutz von Kindern muss hier oberste Priorität haben“, betonte der Experte.

Die DGKJ weist darauf hin, dass Schlafprobleme im Kindesalter häufig durch strukturierte, nicht medikamentöse Maßnahmen verbessert werden können. „Dazu gehören feste Schlafenszeiten, klare Abendroutinen, der Verzicht auf Bildschirmmedien vor dem Zubettgehen und eine schlafhygienisch günstige Umgebung. Kinder sollten gesunde Einschlafstrategien erlernen können – das ist nachhaltiger und sicherer als die Gabe eines Hormons“, so Lücke.

Die DGKJ-Ernährungskommission weist in ihrer Stellungnahme außerdem daraufhin, dass solche Produkte als Nahrungsergänzungsmittel nicht den strengen Sicherheits- und Zulassungsanforderungen von Arzneimitteln unterliegen – „das ist aus kinderärztlicher Sicht äußerst problematisch“, so Lücke.

Die Fachgesellschaft fordert ein gesetzliches Verbot melatoninhaltiger Nahrungsergänzungsmittel in Form kindgerechter Süßigkeiten wie Gummibärchen. Eltern sollten Schlafprobleme des Kindes primär mit ihrer Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprechen und Melatonin bei Kindern ausschließlich bei klarer medizinischer Indikation und unter ärztlicher Kontrolle einsetzen.

„Aus Sicht der Kinder- und Jugendmedizin darf ein hormonell wirksamer Stoff nicht wie ein harmloses Naschprodukt behandelt werden“, fasst die Fachgesellschaft ihre Kritik zusammen.

hil

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