Ärzteschaft

Kliniken sehen Kostenprobleme bei Rückkehr des Zivildienstes

  • Donnerstag, 5. Februar 2026
/picture alliance, Robert B. Fishman
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Berlin – Die Krankenhäuser wären bereit, erneut Zivildienstleistende zu beschäftigen. Allerdings sehen sie ein Problem bei den Kosten. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI), auf die die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) heute hingewiesen hat.

Demzufolge signalisieren 93 Prozent der befragten Krankenhäuser eine sehr hohe Bereitschaft, Zivildienstleistende wieder aufzunehmen. Bereits vor der Aussetzung des Zivildienstes hatten 87 Prozent der Kliniken Zivildienstleistende beschäftigt.

Als klassische Einsatzbereiche sehen die Kliniken vor allem unterstützende Tätigkeiten in der Pflege sowie Patientenbegleit- und Versorgungsdienste. Diese Einsatzfelder werden von 93 Prozent der Krankenhäuser genannt. Tätigkeiten in der Hauswirtschaft oder in technischen Diensten spielen hingegen eine geringere Rolle.

In Bezug auf die Dauer des Zivildienstes sprechen sich die Krankenhäuser für einen Zeitraum von neun bis zwölf Monaten aus. 67 Prozent der Kliniken halten diese Zeitspanne für sinnvoll. Eine kürzere Dauer von sechs bis neun Monaten befürworten 16 Prozent, eine längere Dienstzeit von mehr als zwölf Monaten 13 Prozent der Häuser.

Der überwiegende Teil der befragten Häuser kann sich nach Angaben der DKG eine Finanzierung analog zum heutigen Bundesfreiwilligendienst vorstellen. Nicht darstellbar ist demnach aber ein Eigenanteil von 30 Prozent an einer möglichen Vergütung von rund 2.600 Euro pro Monat – eine Summe, die derzeit für freiwillig Wehrdienstleistende geplant sei, wie die DKG schreibt.

„Eine solche finanzielle Belastung wäre für die Kliniken wirtschaftlich nicht tragbar“, sagte Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, mit Verweis auf die Ergebnisse des Krankenhaus-Index. Danach bewertet die überwiegende Mehrheit der Krankenhäuser die wirtschaftliche Lage als hoch problematisch.

Rund ein Drittel der Allgemeinkrankenhäuser geht davon aus, Personal abbauen zu müssen, 23 Prozent erwarten Einschränkungen im Leistungsangebot. „Vor diesem Hintergrund ist klar, dass für Zivildienstleistende keine Vergütungen gezahlt werden können, die das Niveau einer Ausbildungsvergütung deutlich überschreiten“, so Neumeyer. Dies entspreche auch der Praxis beim Bundesfreiwilligendienst oder dem Freiwilligen Sozialen Jahr, die in den gleichen Bereichen angeboten werden.

Bis zum Aussetzen der allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 2011 gab es für Männer, die den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigerten, den Zivildienst. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 entfiel auch der Zivildienst.

An seine Stelle trat ab 1. Juli 2011 der Bundesfreiwilligendienst, der Menschen jeden Alters und Geschlechts offensteht und freiwillig geleistet wird. Seit Jahresbeginn befragt die Bundesregierung alle 18-jährigen Männer und Frauen zu Eignung und Motivation für einen Dienst in der Bundeswehr. Das führt auch zu Debatten rund um eine mögliche Wiedereinführung des Zivildienstes.

EB/kna

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