Medizin

Körperliche Belastungen beim Ultramarathon

  • Mittwoch, 20. Januar 2016
Uploaded: 20.01.2016 19:06:01 by mis
mara-dpa

Ulm – Extreme Laufbelastungen führen bei durchtrainierten Sportlern zu keinen dauer­haften Schädigungen an den Gelenken. Vielmehr zeigt der Knorpel auch während des Laufens ein erstaunliches Regenerationspotenzial. Das berichten Wissenschaftler aus der Klinik für Diagnostische und interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Ulm. Ein Team um Uwe Schütz aus der Klinik hatte beim sogenannten Transeuropa-Lauf von 2009 die Sportler mit einem mobilen Kernspingerät (MRT) begleitet.

Dieser Lauf fand vom 19. April bis 21. Juni 2009 statt und führte über 4.487,7 Kilometer von der süditalienischen Hafenstadt Bari bis zum Nordkap. Das Forschungsprojekt der Ulmer Wissenschaftler wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 200.000 Euro gefördert. Das mobile MRT-Gerät inklusive eines separaten Strom­aggregats wurde auf einem Sattelzug mit einem Gesamtgewicht von 37 Tonnen durch ganz Europa transportiert. Die Forscher begleiteten 67 Sportler, von denen 45 die Strecke schafften.

Alle drei bis vier Tage untersuchten die Ulmer Wissenschaftler die Teilnehmer aus zwölf Nationen, die täglich zwischen 44 und 95 Kilometern laufend zurücklegten. „Die MRT-Aufnahmen, die wir in unserem eigens mitgeführten Lkw anfertigten, zeigten schnell, dass die Gelenke auf die Strapazen signifikant reagierten“, erläutert Schütz. Es kam auf den ersten 1.500 Kilometern in allen Gelenken zu einer Zunahme der sogenannten T2-gewichteten Signale, laut Schütz ein Marker, der eine Störung im Knorpel anzeigt.

Die Forscher gehen davon aus, dass aufgrund der Extrembelastung der Verlauf der oberflächlichen Kollagenfasern gestört wurde und durch teilweise Zerstörung von Knorpelmatrixproteinen der Wassergehalt des Knorpels zugenommen hatte. „Im Bereich des Sprunggelenks konnten wir einen T2-Anstieg um 20,9 Prozent, im Knöchel um 25,6 Prozent und im Bereich des Mittelfußes um 26,3 Prozent feststellen“, sagt Schütz.

Spitzenreiter sei ein Bereich des Kniegelenks – das Femorotibialgelenk – mit Werten bis zu 44 Prozent gewesen. Je mehr Kilometer jedoch im Verlauf des „Transeuropa-Laufs“ zurückgelegt wurden, umso mehr erholte sich der Gelenkknorpel. Lediglich im Knie­gelenk blieben die Werte erhöht. „Wir hatten eigentlich erwartet, dass die Fußgelenke auf Dauer anfälliger sind, denn ihre Gelenkfläche ist kleiner, damit ist auch die Belastung pro Flächeneinheit größer“, führt Studienleiter Schütz aus.

Darüber hinaus sei interessant, dass sich der Durchmesser der Achillesferse vergrößert habe. Knöcherne Strukturen insgesamt seien durch die enormen Belastungen tendenziell nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, auch wenn es bei zwei Läufern zu Ermüdungsbrüchen im späteren Rennverlauf kam.

hil

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