Kommission zur Zukunft der Universitätsmedizin im Nordosten benannt

Schwerin – Eine hochkarätig besetzte Kommission soll in Mecklenburg-Vorpommern (MV) die Folgen der Ökonomisierung des Gesundheitswesens für das Patientenwohl untersuchen und Empfehlungen geben, wie medizinethische Werte an den Unikliniken gesichert werden können. Das sechsköpfige Expertengremium „Universitätsmedizin 2020“ kam heute erstmals in Schwerin zusammen. Es war nach Diskussionen um möglicherweise zweifelhafte Geschäftspraktiken an der Unimedizin Rostock von Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) einberufen worden. „Die Universitätsklinika haben als staatliche Einrichtungen eine Vorbildfunktion“, sagte die Ministerin.
Die Kommission soll in den nächsten eineinhalb Jahren Empfehlungen erarbeiten, wie die beiden Hochschulkliniken in MV angesichts der Ökonomisierung ihre Aufgaben zuverlässig erfüllen können, sagte Hesse bei der Vorstellung der Mitglieder. Geleitet wird das Gremium vom ehemaligen Grünen-Bundestagsabgeordneten und Arzt Harald Terpe. Ihr gehören unter anderem die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hedwig François-Kettner, der Medizinrechtler Karsten Gaede und der ehemalige Bremische Staatsrat für Gesundheit, Hermann Schulte-Sasse, an.
Fehlentwicklungen der Fallpauschalen korrigieren
Von 1998 bis 2001 war Schulte-Sasse Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium und dort mitverantwortlich für die Einführung der Fallpauschalen (DRG) im Gesundheitswesen. Sie gelten als eine Ursache für den Ökonomisierungsdruck in den Krankenhäusern. Schulte-Sasse verteidigte die DRGs. Sie hätten zu mehr Transparenz geführt, sagte er. Allerdings habe es auch Fehlentwicklungen gegeben, die korrigiert werden müssten.
So habe die Notwendigkeit für Krankenhäuser, mindestens eine „schwarze Null“ zu erreichen, zum Abbau von Pflegepersonal am Krankenbett geführt. Dies wiederum habe Überlastung und Frust bei den Mitarbeitern zur Folge. Derzeit versuche die Bundesregierung, mit Vorgaben für Mindestzahlen in der Pflege gegenzusteuern.
Hesse hat große Erwartungen an die Kommission, wie sie sagte. Auch bundesweit werde mit Interesse auf die Kommission geschaut, weil das Spannungsfeld von Ökonomie und Ethik überall bestehe. Universitätskliniken müssten sich drei Themen widmen: Forschung, Lehre und Patientenversorgung, sagte Hesse. „Ich erhoffe mir von der Kommission Empfehlungen, wie sich unsere beiden Häuser künftig aufstellen können, damit sich Anspruch und Wirklichkeit decken.“ Dabei müssten das Patientenwohl und eine klare Orientierung an medizinethischen Werten Vorrang haben, betonte die Ministerin.
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