Krebs bei Säuglingen: Mortalität im frühen Stadium teilweise viermal höher als bisher berichtet

Berlin – Die 5-Jahres-Überlebensrate von Kindern mit Krebs liegt mittlerweile bei mehr als 80 Prozent. Nur eine Subgruppe profitiert bis heute nicht von dem positiven Trend. Das sind jene, die eine lebensrettende Therapie zu spät bekommen oder bereits kurz nach der Diagnose sterben. Bei einigen Krebsarten liegt die Sterberate viermal höher als bisher vermutet. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher vom University of Colorado Cancer Center in einer Studie, die im Journal of Clinical Oncology erschienen ist (2017; doi: 10.1200/JCO.2016.70.3249).
Ein hohes Risiko, den Monat nach der Diagnose nicht zu überleben, haben vor allem Kinder, die noch kein Jahr alt sind, und ethnische Minderheiten. Den Altersaspekt kann Adam Green von der University of Colorado Cancer Center und vom Children’s Hospital Colorado leicht erklären: „Das junge Alter ist generell eine Herausforderung für Mediziner, da Säuglinge Schmerzen und Gefühle sprachlich noch nicht mitteilen können.“ Keine Erklärung hat er hingegen dafür, dass Schwarze und Hispanoamerikaner unabhägig vom sozioökonomischen Status eine höhere Sterberate haben. Ob biologische oder kulturelle Faktoren eine Rolle spielen oder eine strukturelle Benachteilung, etwa durch Versicherungen oder das Gesundheitssystem, müsse noch untersucht werden.
Die Forscher um Green untersuchten mehr als 36.000 Fälle von Kindern mit Krebs, die zwischen 1992 und 2011 dokumentiert worden waren. Die Daten stammen aus der Surveillance, Epidemiology and End Results (SEER). Innerhalb eines Monats nach der Diagnose waren 555 (1,5 Prozent) verstorben. Am häufigsten starben Kinder früh mit lymphatischer und lymphoblastischer Leukämie, Lebertumoren und bösartigen Hirntumoren. Vergleiche mit klinischen Studien zeigen weit niedrigere Mortalitätsraten für alle Krebsarten, da Kinder, die so früh an Krebs sterben, hier nicht teilnehmen, so die Begründung der Autoren (siehe Kasten).
„Basierend auf diesen Daten können Ärzte das Risiko von frühdiagnostizierten Kinder mit Krebs entsprechend berücksichtigen“, sagt Green. In einer prospektiven Studie will er mit seinem Team die Risikofaktoren noch besser untersuchen.
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