Künstliches Pankreassystem produzierte ein Jahr zuverlässig Insulin
Dresden – Dresdener Forscher haben einem Typ-1-Diabetiker ein künstliches Pankreassystem mit Inselzellen implantiert. Der sogenannte Bioreaktor hat für ein Jahr zuverlässig Insulin produziert berichtet eine Arbeitsgruppe um Stefan Bornstein von der Medizinischen Klinik III der Universität Dresden im Journal Proceedings of the National Academy of Sciences (doi 10.1073/pnas.1317561110). „Das ‚Ei des Kolumbus‘ ist dabei die kontrollierte Sauerstoffversorgung der Zellen, die dadurch aktiv bleiben“, erläutert Bornstein.
Das künstliche Pankreassystem ― entwickelt von einem israelischen Unternehmen ― macht anders als bei sonstigen Organ- und Gewebetransplantationen die Immunsuppression überflüssig. Denn es schützt die Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems, lässt jedoch umgekehrt das Insulin in den Körper gelangen.
Damit könnten künftig sogar insulinproduzierende Zellen vom Schwein eingesetzt werden, ohne vom menschlichen Organismus abgestoßen zu werden. „Müssen die Empfänger von Spenderzellen nicht mehr lebenslang Immunsuppressiva nehmen und könnte man das Problem der fehlenden Spenderorgane umgehen, könnten viel mehr Menschen mit Diabetes als bisher von einer Inselzelltransplantation profitieren“, so der Dresdner Diabetes-Experte.
Für Patienten mit Typ-1-Diabetes, die trotz medikamentöser Therapie an lebensbedrohlichen Schwankungen ihres Zuckerhaushalts leiden, stellt laut der Arbeitsgruppe die Pankreas- sowie die Inselzell-Transplantation derzeit die einzigen Möglichkeiten dar, um die insulinproduzierenden Beta-Zellen zu ersetzen.
Bevor jedoch mehr Menschen vom Dresdner Forschungserfolg profitieren können, sind weitere Studien und Entwicklungen notwendig. „Wir schätzen, dass das System in fünf Jahren eine Therapieoption in der Behandlung des Diabetes sein wird“, so Bornstein. hil
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