Vermischtes

Künstliche Intelligenz soll Rettungsschwimmer in Hamburg unterstützen

  • Freitag, 16. Oktober 2026
Eine Angestellte der Bäderbetriebe schaut während einer Demonstration auf einer Pressekonferenz auf ihre Smartwatch, die ihr einen Notfall im Schwimmbecken anzeigt. /picture alliance, Ulrich Perrey
Eine Angestellte der Bäderbetriebe schaut während einer Demonstration auf einer Pressekonferenz auf ihre Smartwatch, die ihr einen Notfall im Schwimmbecken anzeigt. /picture alliance, Ulrich Perrey
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Hamburg – Die städtischen Schwimmbäder in Hamburg installieren flächendeckend ein System mit Künstlicher Intelligenz (KI) zum frühzeitigen Erkennen von Ertrinken. Bis Ende 2027 sollen alle 20 öffentlichen Hallenbäder der Hansestadt damit ausgestattet sein, wie der Betreiber Bäderland mitteilte.

Kameras überwachen demnach das Schwimmbecken und eine KI erkennt auffällige Bewegungsmuster. Die Technik warne dann im Ernstfall die Rettungsschwimmer sofort per Smartwatch mit genauer Stelle im Becken. Die Zahl der Aufsichtskräfte bleibe von der Einführung des Systems unverändert. Die Verantwortung bleibe beim Menschen, betonte Bäderland.

„Der wichtigste Punkt bei uns in den Bädern ist das Thema Zeit. Wir haben ganz, ganz wenig Zeit, bis wir erkennen können, dass eine kritische Situation in den Bädern passieren kann. Für unsere Kolleginnen und Kollegen ist das eine wahnsinnig verantwortungsvolle Aufgabe“, sagte Susan Zetzmann, Bäderland-Geschäftsführerin. Die KI sei ein Sicherheitsanker für das Personal und komme nur unterstützend zum Einsatz. Die Pläne wurden in der Alsterschwimmhalle vorgestellt.

Nach Angaben des städtischen Badebetreibers sei Hamburg die erste deutsche Großstadt mit dem flächendeckenden Einsatz der Technik. Bäderland investiert eigenen Angaben zufolge rund drei Millionen Euro. Die Technik wurde seit Ende 2024 im Billebad in Bergedorf mit neun Kameras an zwei Becken getestet. Nun sollen nach Angaben des Badbetreibers weitere 256 Kameras an 48 Schwimmbecken installiert werden.

Als erstes Bad bekomme die Alsterschwimmhalle das System, verkündete Zetzmann. Bis Ende 2027 folgen die restlichen Bäder. Kameras an der Decke überwachen die Schwimmbecken und den Bereich etwa einen halben Meter um die Becken herum. So können auch Stürze ins Becken erfasst werden. Eine KI analysiere dann die Bewegungsabläufe der Badegäste im Wasser.

Die KI erkenne, wenn ein Gast mit dem Kopf unter Wasser bleibe, sich nicht mehr bewege oder untypisch bewege. Für diesen Fall werde das Badepersonal auf einer Smartwatch benachrichtigt, sagte Florian Grojer, Projektmanager der israelischen KI-Softwarefirma Lynxight.

2023 kam es zu einem tödlichen Unfall im Schwimmbad Bondenwald. Bei einem Schwimmkurs geriet eine Fünfjährige unter Wasser und erlitt einen tödlichen Sauerstoffmangel. Das Amtsgericht Hamburg hatte eine Schwimmlehrerin zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Tod des Mädchens war ausschlaggebend für den Ausbau des Systems.

Bäderland-Chefin Zetzmann: „Das hat uns tief getroffen. Das hat die Mitarbeitenden tief getroffen. Seitdem ist auch eine große Verängstigung zum Beruf zu bemerken.“ Die Mitarbeitenden seien nun sehr froh, dass sie einen Bodyguard an ihre Seite bekämen. Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) appellierte an die Eltern und Begleitpersonen trotz des Assistenten aufmerksam auf die Kinder im Schwimmbad zu achten.

Entwickelt wurde das System von der israelischen Firma Lynxight. Das Unternehmen erklärt, dass die Bilder direkt im Schwimmbad auf einem eigenen Server verarbeitet und nach 15 Sekunden gelöscht werden. Es gebe keine dauerhafte Verbindung ins Internet und keine Speicherung in einer Cloud. Die Verarbeitung der Daten erfolge vor Ort im Schwimmbad.

dpa

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