Kutane Sarkoidose in Tätowierungen kann systemische Aktivität anzeigen

Leipzig – Ein seltener Fall von kutaner Sarkoidose, der ausschließlich in tätowierten Hautarealen auftrat, wurde auf der Fachtagung „Dermatologie kompakt + praxisnah (KoPra) 2026“ vorgestellt. Die Beobachtungen zeigen, dass Hautmanifestationen bei Sarkoidose nicht nur kosmetisch relevant sind, sondern als sichtbare Marker für systemische Krankheitsaktivität dienen können.
Das interdisziplinäre Team aus Pneumologie, Dermatologie und Pathologie der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie des Helmholtz-Zentrums München um Gülümser Hale Alkan berichtete auf einem e-Poster (P049) über den Patienten, einen 40-jährigen Ex-Raucher mit histologisch gesicherter pulmonaler und kardialer Sarkoidose.
Seit 2019 erhielt er eine intermittierende Therapie mit Prednisolon und Azathioprin zur Kontrolle der Multiorganbeteiligung. Während der Erhaltungstherapie mit Azathioprin (1 mg/kg) entwickelten sich Hautläsionen: Im März 2024 traten erstmals erythematöse, schuppige Papeln auf, die ausschließlich schwarze Tätowierungen auf Rücken und Armen betrafen. Eine Hautbiopsie bestätigte eine kutane Sarkoidose.
Therapieanpassung nach Hautmanifestationen
Zeitgleich zeigte sich eine Verschlechterung der Lungenfunktion, weshalb eine Therapie mit Infliximab eingeleitet wurde. Nach sieben Infusionen kam es zunächst zu einer klinischen Verbesserung. Dennoch traten die Hautläsionen im Juli 2025 erneut auf; der Patient behandelte sich selbst mit oralen Kortikosteroiden.
Wie die Gruppe schreibt, verdeutliche der Fall eine seltene Form der kutanen Sarkoidose, die auf die tätowierte Haut eines Patienten mit systemischer Beteiligung beschränkt sei: „Solche Läsionen können allergische Reaktionen oder Fremdkörperreaktionen imitieren und stellen somit eine diagnostische Herausforderung dar.“
Der kutane Rückfall diente als sichtbares Anzeichen für eine systemische Reaktivierung und „unterstreicht die Bedeutung der Erkennung von Hautveränderungen als Indikatoren für eine Multisystemaktivität und die Gewährleistung einer nachhaltigen, koordinierten Behandlung über Fachbereiche hinweg“, heißt es im entsprechenden Beitrag des Abstractbandes weiter.
Bedeutung für die klinische Praxis
Für behandelnde Ärztinnen und Ärzte ist es entscheidend, Hautveränderungen bei Menschen mit Sarkoidose nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext der multisystemischen Erkrankung zu beurteilen.
Aus dem Fall schließt das Team, dass eine auf Tätowierungen beschränkte kutane Sarkoidose ein rares, aber klinisch bedeutsames Anzeichen für eine systemische Krankheitsaktivität sei: „Eine frühzeitige dermatologische Untersuchung, eine histologische Bestätigung und eine multidisziplinäre Langzeitbehandlung sind entscheidend für eine optimale Krankheitskontrolle und die Prävention von Rückfällen.“
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: