Medizin

Langjähriger Marihuana-Konsum führt zu Gedächtnisstörungen

  • Mittwoch, 3. Februar 2016
Uploaded: 18.01.2013 10:28:01 by mis
dpa

San Francisco – Ein langjähriger Konsum von Marihuana kann offenbar die Gedächtnis­bildung beeinträchtigen. In einer prospektiven Beobachtungsstudie in JAMA Internal Medicine (2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.7841) konnte sich jeder zweite Teilnehmer in einem Test ein Wort weniger aus einer Liste von 15 Worten merken, wenn er seit fünf Jahren regelmäßig Marihuana geraucht hatte.

Für viele Marihuana-Konsumenten gehört es zu den Reizen der Droge, dass das Denken im Rausch nicht unbedingt den Gesetzen der Logik folgt und einen assoziativen Umgang mit Gedächtnisinhalten ermöglicht. Die meisten Konsumenten sind jedoch fest davon überzeugt, dass die kognitiven Störungen nicht über das Ende des Rausches anhalten. Schließlich fühlen sie sich nach dem Abklingen der Drogenwirkung wieder bei vollem Verstand, und kurzfristig lassen sich bei Gelegenheitskonsumenten von Marihuana keine Auswirkungen nachweisen.

Die langfristigen Folgen sind dagegen wenig untersucht. Reto Auer von der Universität von Kalifornien in San Francisco (inzwischen an der Universität Lausanne tätig) hat hierzu die Daten der amerikanischen CARDIA-Studie („Coronary Artery Risk Development in Young Adults“) ausgewertet. Die Studie begleitet seit 1985/86 eine Gruppe von damals 18 bis 30 Jahren jungen Männern und Frauen.

Die Studie sucht in erster Linie nach den Risikofaktoren für die koronare Herzkrankheit. Die Teilnehmer werden regelmäßig nach ihren Lebensumständen befragt. Dazu gehört auch der Konsum von Marihuana. Auer setzt die Angaben mit den Ergebnissen in neuropsychologischen Tests in Verbindung, die 25 Jahre nach dem Beginn der Untersuchung durchgeführt wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Ergebnisse im „Rey Auditory Verbal Learning Test“ (zum Arbeitsgedächtnis), dem „Digit Symbol Substitution Test“ (zum kognitiven Tempo) und im Stroop Interference Test (zu den exekutiven Leistungen des Arbeitsgedächtnisses) bei den Teilnehmern umso schlechter ausfielen, je länger sie regelmäßig Marihuana geraucht haben.

Dies allein belegt nicht, dass Marihuana dem Gehirn langfristige Schäden zufügt, es könnte ja sein, dass Menschen, die häufig zur Droge greifen, aus anderen Gründen kognitive Nachteile haben. Da die CARDIA-Studie sehr viele Informationen zu Lebens­gewohnheiten und Krankheiten gesammelt hat, konnte Auer dies untersuchen.

Tatsächlich konnte der Forscher die schlechteren Ergebnisse im „Digit Symbol Substitution Test“ und im „Stroop Interference Test“ auf andere Faktoren zurückführen. Die Assoziation mit den Defiziten im Arbeitsgedächtnis blieben jedoch bestehen. Für jeweils 5 Jahre regelmäßigen Marihuana-Konsum verschlechterten sich die Ergebnisse um 0,13 standardisierte Einheiten im Test, was der erwähnten Verschlechterung der Merkleistung um 1 von 15 Worten entspricht, die bei jedem zweiten Konsumenten mit mehr als 5 Jahren regelmäßigem Marihuana-Konsum auffiel.

Zu ähnlichen Ergebnissen war vor einigen Jahren die Dunedin Study gekommen, die eine Gruppe von 1.037 Menschen aus Neuseeland von der Geburt bis über das 37. Lebensjahr hinaus begleitet hat (PNAS 2012; 109: E2657–E2664). Und auch funktionelle Studien haben gezeigt, dass langfristige Konsumenten eine verminderte Aktivität in Hirnregionen wie Hippocampus oder präfrontalem Kortex haben, die für Gedächtnis- und Verstandesleistungen benötigt werden.

Wayne Hall von der University of Queensland und Michael Lynsey vom King’s College London sind deshalb von einer schädlichen Wirkung eines langjährigen Marihuana-Konsums überzeugt, vor allem wenn Jugendliche sehr früh damit beginnen. Die Editorialisten wissen jedoch auch, dass sie die jungen Konsumenten vermutlich nicht von ihren Bedenken überzeugen werden.

rme

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