Langsamer Gewichtsverlust hält nicht länger an
Melbourne – Der Erfolg einer langsamen Gewichtsabnahme hält laut einer Studie in Lancet Diabetes&Endocrinology nicht länger an, als der einer besonders schnellen Diät. Erstautorin Katrina Purcell und Wissenschaftler der Universität Melbourne schließen dies aus den Ergebnissen ihrer randomisierten kontrollierten Untersuchung (http://dx.doi.org/10.1016/S2213-8587(14)70200-1).
Laut der Arbeitsgruppe wird in vielen Leitlinien eine langsame Gewichtsreduktion empfohlen, da eine erneute Gewichtszunahme so unwahrscheinlicher sei. Eine schnelle Gewichtsabnahme führe eher zum Muskelabbau und erniedrige so den Grundumsatz des Körpers. Folge ist die schnelle, als Jojo-Effekt bekannte Gewichtszunahme nach der Diät. Zusätzlich kann sehr schnelles Abnehmen zu einer Reihe von körperlichen Begleiterscheinungen führen, wie Leistungsminderung, Schlafstörungen oder der Bildung von Gallensteinen. Die Diäten der Studie erfolgten daher unter strenger medizinischer Kontrolle.
Die Forscher randomisierten 204 übergewichtige Teilnehmer (51 Männer und 153 Frauen) mit einem BMI zwischen 30 und 45 kg/qm in eine Schnellabnehmer- und eine Langsamabnehmergruppe. In der Schnellabnehmergruppe wurden die Teilnehmer auf eine Radikal-Diät gesetzt, bei welcher sie nur 450 bis 800 kcal pro Tag zu sich nahmen, während die Teilnehmer der langsam abnehmenden Gruppe ihren durchschnittlichen Verbrauch um 500kcal pro Tag senkten.
Die Radikal-Diät ging über zwölf Wochen, während die Teilnehmer der anderen Gruppe die langsame Diät über 36 Wochen einhalten mussten. Ziel für beide Gruppen war es, rund 15 Prozent des Körpergewichts zu verlieren, mindestens aber 12,5 Prozent. In der Gruppe der Schnellabnehmer erreichten 81 Prozent dieses Mindestziel, während es bei den Langsamabnehmern 50 Prozent waren.
Alle Teilnehmer, die innerhalb der ersten Phase 12,5 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts verloren, setzten die Forscher auf eine Erhaltungsdiät. Die Versuchspersonen mussten diese für drei Jahre einhalten. Nach diesem Zeitraum zeigten jedoch beide Gruppen vergleichbare Zunahmeraten. Die Langsamabnehmer hatten 71,2 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zugenommen, während es bei den Schnellabnehmern 70,5 Prozent waren. Ein Teilnehmer der schnellen Abnehmer erlitt in der ersten Phase eine Cholezystitis.
Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass ein schneller Gewichtsverlust nicht zu einer schnelleren Gewichtswiederzunahme führen muss. Die besseren Abnehmraten bei der kohlenhydratarmen Radikal-Diät führen die Forscher auf die vermehrte Bildung von Ketonkörpern zurück, die das Hungergefühl unterdrückten.
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