Laumann warnt vor Hausärztemangel in Nordrhein-Westfalen

Düsseldorf – Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), sieht die flächendeckende Versorgung durch Hausärzte in Nordrhein-Westfalen gefährdet. Bereits heute sei die Hälfte der landesweit 10.700 Hausärzte älter als 55 Jahre, erklärte er am Freitag in Düsseldorf. An den Hochschulen würden derzeit viel zu wenig Allgemeinmediziner ausgebildet.
In den kommenden zehn Jahren müssten in NRW etwa 2.500 bis 3.000 Hausärzte altersbedingt ersetzt werden, erklärte Laumann. Bereits heute drohe in 92 der 398 NRW-Kommunen eine hausärztlichen Unterversorgung. In weiteren 48 Städten und Gemeinden könnte die hausärztliche Versorgung gefährdet sein. Während größere Kommunen oft mit Allgemeinmedizinern überversorgt seien, herrsche auf dem Land ein erheblicher Mangel. Trotzdem böten einige Hochschulen diesen Studienzweig gar nicht mehr an.
Der Patientenbeauftragte forderte NRW-Hochschulministerin Svenja Schulze (SPD) auf, den Numerus Claus speziell zu lockern. So sei neben den Abiturnoten positiv zu berücksichtigen, wenn Studienbewerber zuvor als Rettungssanitäter und Pflegeassistenten aktiv gewesen seien.
Weiter kritisierte Laumann die bundesweit unterschiedliche Bezahlung der Hausärzte durch die Krankenkassen. In Bremen zahlten die Kassen für einen Versicherten im Schnitt 510,25 Euro, im Rheinland nur 458,71 Euro und in Westfalen 428,71 Euro. Damit rangiere NRW bei der Ärztehonorierung am unteren Ende der Tabelle.
Der Pflegebeauftragte wandte sich gegen Darstellungen, dass Ärzte eine Niederlassung auf dem Land scheuten. Andere Akademiker wie Apotheker, Architekten und Rechtsanwälte ließen sich in diesen Regionen in ausreichender Zahl nieder. Es müsse überprüft werden, ob die Selbstverwaltung der Ärzte noch funktioniere oder am Ende der Staat eingreifen müsse. Denkbar sei, dass auf dem Land auch Kommunen Arztpraxen einrichten.
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